"profil": Claus Peymann kritisiert "Managertypen" wie Klaus Bachler und "sinnlose" Literaturförderungen

Der Regisseur plant Handke-Uraufführung am Burgtheater - sieht darin "radikal poetischen Gegenentwurf" zu Thomas Bernhards "Heldenplatz"

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" rechnet der ehemalige Burgtheater-Direktor und Regisseur Claus Peymann, der ab 9. Jänner mit seiner Produktion "Richard II" im Haus am Ring wieder zu Gast sein wird, mit seinem Nachfolger Klaus Bachler ab - und lobt Matthias Hartmann: "In den vergangenen zehn Jahren war ich an der Burg Persona non grata. Das beruhte übrigens auf Gegenseitigkeit. Ich mag diese Managertypen nicht, die neuerdings in den Theatern dominieren. Das sind alles nicht-künstlerische Menschen. Theater muss von der Bühne aus geführt werden, nicht vom Büro. Das Haus wirkt wie beflügelt. Vielleicht macht Hartmann nun auch ein bisschen zu schnell Karriere -aber seine Mischung aus Größenwahn und Todesmut ist absolut richtig für die Burg."

Kulturförderungen hält Peymann für so etwas wie "eine Kastration":
"Im deutschsprachigen Raum wird so viel gefördert, dass es einem zum Hals heraushängt. Die Schriftsteller schreiben ja nur mehr, damit sie Förderungen kriegen. Jedes Kaff in Deutschland hat inzwischen einen Dorfautor. Auf jedem Quadratkilometer gibt es einen Literaturpreis -und trotzdem kommt nichts dabei heraus. Mich hat keiner gefördert. Ich habe wie ein Wahnsinniger gefightet, auf Leben und Tod. Deshalb habe ich es geschafft. Und darum bin ich seltsamerweise immer noch in der ersten Liga, auch wenn ich oft nieder- und abgeschrieben wurde."

In der kommenden Saison wird Peymann zudem ein neues Stück von Peter Handke an der Burg uraufführen. "Immer noch Sturm (Storm Still)" sei ein "radikal poetischer Gegenentwurf zu Thomas Bernhards ,Heldenplatz', in dem es ja auch darum ging, wie die Österreicher einst Hitler zugejubelt hatten. Handke stellt Kärntner Partisanen ins Zentrum. Während es anderswo Partisanenbewegungen gab, fehlte im deutschsprachigen Raum der Widerstand weit gehend. Nur einige Kärntner Outlaws gingen in die Wälder, um gegen Hitler zu kämpfen. Handke singt das Hohelied dieser einfachen Leute. Ich hoffe, ich treffe die Leichtigkeit, die im Text steckt."

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