Falter: Kärntner Polizei vertuschte tödlichen Brandanschlag auf Asylheim während Fussball EM

BKA fand bereits im Juni 2008 Spuren von KfZ-Benzin. Gerichtsgutachten spricht von "mutwilliger Inbrandsetzung" durch "Brandmittelbeschleuniger" / Anklagen vorbereitet

Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe geheime Justizakten betreffend den Brand eines Klagenfurter Flüchtlingsheims im Juni 2008. Ein Afrikaner starb, 19 weitere wurden verletzt. Bisher hieß es, das Feuer sei durch achtlos weggeworfene Zigaretten der Flüchtlinge entstanden.

Wie geheime Gutachten zeigen, handelte es sich um einen besonders perfiden Brandanschlag während der EM und möglicherweise um eines der größten Verbrechen gegen Asylwerber. Das Bundeskriminalamt hat bereits wenige Tage nach dem Feuer Spuren von KfZ-Benzin im Brandschutt sichergestellt. Es sei nicht auszuschließen, so das BKA, dass das Heim durch eine "offene Flamme" in Brand geraten sei.

Im September 2008 schlug der nächste Gerichtsgutachter Alarm. Es seien "Schüttspuren" von "Brandbeschleunigern" im Stiegenhaus zu sehen, schrieb der Sachverständige Thomas Schuster-Szentmiklósi. Ausdrücklich spricht der Gerichtssachverständige von einer "mutwilligen Inbrandsetzung" des Asylheimes. Das Feuer sei im Stiegenhaus, dem einzigen Fluchtweg, gelegt worden. Zigaretten als Ursache des Brandes schließt der Gutachter ausdrücklich aus.

Weiterhin behauptete die Kärntner Polizei in den Medien, dass die Flüchtlinge das Heim selbst angezündet hätten. Auffallend ist in dem Akt, dass die Polizei nie im rechten Milieu oder bei deutschen und kroatischen Hooligans ermittelte, die damals in Klagenfurt nahe dem Afrikanerheim nächtigten. Auch der Verfassungsschutz wurde bei den Ermittlungen nie beigezogen. In wesentlichen Details wurde der Bundesverfassungsschutz in Wien falsch informiert.

Farhad Paya, der Anwalt der Opfer, übt nun scharfe Kritik an der Kärntner Polizei. Die Exekutive sei "entweder unprofessionell" oder "voreingenommen". Im Falter meldet sich auch ein Verfassungsschützer zu Wort, der den Akt studierte. Seine Expertise: "Diese Kärntner Polizei ist politikverseucht. Die Ermittlungen sind zum Vergessen".

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt plant derweil Anklagen an einer Nebenfront. Die vom Land Kärnten beauftragten Betreiber des Heimes, so der Vorwurf, hätten die feuerpolizeilichen Bestimmungen nicht eingehalten. Die beabsichtigte Anklage muss nun vom Justizministerium genehmigt werden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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