OTS0210 / 02.12.2009 / 13:28 / Channel: Politik / Aussender: Kathpress
Stichworte: Behinderte / KATHPRESS / Kirchen / Küng


Küng: Humane Gesellschaft erweist sich am Umgang mit Behinderten und


utl: Erklärung zum Welttag der Menschen mit Behinderungen: Bischof 
ortet in Österreich große Fortschritte wie auch 
besorgniserregende Tendenzen =
   Wien, 02.12.2009 (KAP) Ob eine Gesellschaft human ist, erweist sich 
nicht an großen kulturellen Errungenschaften, "sondern einzig und 
allein daran, wie sie mit Kranken und Schwachen, behinderten und 
alten Menschen umgeht". Das betont der St. Pöltner Bischof Klaus 
Küng in einer Erklärung zum Welttag der Menschen mit Behinderungen 
am 3. Dezember. Bischof Küng ist in der Österreichischen 
Bischofskonferenz für Familien- und Lebensschutzfragen zuständig. Er 
ortet in den vergangenen Jahren beim Umgang mit behinderten Menschen 
in der Gesellschaft sowohl große Fortschritte wie auch 
besorgniserregende Tendenzen. 
Zum einen sei in allen Bundesländern eine Vielfalt von 
"beachtlichen" Einrichtungen und Initiativen entstanden wie 
Ausbildungsstätten, Wohngemeinschaften oder geschützte Werkstätten.. 
Die Bemühungen um die Integration von Menschen mit Behinderungen 
seien in vielen Bereichen wie Schule oder Arbeitsplatz sehr 
verstärkt worden. Pionierarbeit habe vor allem die Caritas 
geleistet, die nach wie vor einer der wichtigsten Träger von 
Einrichtungen für behinderte Menschen in Österreich sei. 
Andererseits zeigt sich Küng darüber besorgt, dass bedeutend weniger 
Kinder mit Behinderung zur Welt kommen als früher. Das sei alles 
andere als eine "Verbesserung", warnt der Bischof. Die pränatale 
Diagnostik habe dramatische Auswirkungen auf die Geburtenrate von 
Kindern mit Down-Syndrom. Durch routinemäßig durchgeführte 
Ultraschalluntersuchungen könnten inzwischen schon ab der zehnten 
Schwangerschaftswoche Hinweise auf das Vorliegen einer Trisomie 21 
wahrgenommen werden und die Schwangerschaftsabbruchrate nach 
Feststellung einer möglichen, aber nicht immer schon sicheren 
Behinderung des Kindes sei äußerst hoch. Küng verweist auf eine 
Studie, wonach sich bei vorliegender Diagnose eines Down-Syndroms 92 
Prozent der Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. 
Ein überwiegender Großteil der Kinder mit diesen Behinderungen werde 
schon vor der Geburt "ausgesiebt". Küng: "Denken wir darüber nach, 
was für ein Signal dieser Umstand an die lebenden Menschen mit 
Behinderung, aber auch an alle Menschen schickt." 
Scharf kritisiert Küng auch rechtliche Tendenzen, wonach aus einem 
noch nicht geborenen Menschen allzu schnell ein "Schaden" werde, 
Ärzte unter wachsendem Druck und mit einem Fuß schon im Gerichtssaal 
stünden. 
Auf einer solchen gesellschaftlichen Entwicklung könne kein Segen 
liegen, so Küng und er verweist auf ein positives Beispiel: "Eine 
befreundete Familie hat um ein behindertes Kind, das nach einigen 
Lebensjahren gestorben ist, sehr getrauert. Sie versicherten mir, 
ihre ganze Familie sei gerade durch dieses eine Kind, mehr als durch 
alle anderen, tiefgreifend positiv verändert worden." 
Der Bischof hebt den wertvollen Beitrag hervor, den Menschen mit 
Behinderungen in und für die Gesellschaft leisten. Gleiches gelte 
auch für jene Eltern, Pfleger und Freunden, "die zu einem Menschen 
mit Behinderung ja gesagt haben und täglich ja sagen". 
 (forts. mgl.)
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