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DER STANDARD-Kommentar "Kleingeistig, intolerant, feige" von Michael Völker
"Witzeln über "Warme": Warum Homosexuelle nicht die gleichen Rechte bekommen" - Ausgabe 14.11.2009
Wien (OTS) - Otto und Anja dürfen. Fritz und Karl nicht. Miriam
und Karin auch nicht. Nämlich heiraten, Kinder adoptieren.
Gleichgeschlechtliche Paare sind verschiedengeschlechtlichen Paaren
gegenüber in vielen Punkten benachteiligt. Manches davon sind
rechtliche Fragen: Mietrecht, Erbschaftsrecht, Besuche im
Krankenhaus, Pflegeurlaub und so weiter. Gleichgeschlechtliche Paare
werden diskriminiert. Anderswo und in Österreich. Sie werden durch
die Gesellschaft diskriminiert, am Arbeitsplatz, unter Freunden und
Kollegen. "Woarme", das ist immer noch ein guter Schmäh. Da kann man
jemanden lächerlich machen. Alfons Haider und "warm" - auch bei
aufgeschlossenen Menschen reicht das für eine billige Pointe, selbst
im Kabarett. Es ist immer ein schlechter Witz. Dennoch gibt es immer
welche, die noch lachen. Und es geht viel ärger.
Schwul, lesbisch - oft eine Herabwürdigung. Für viele, die schwul
oder lesbisch sind oder bi oder transgender, ist das der Grund, sich
nicht zu outen, das Privatleben, den Partner zu verstecken. Weil es
handfeste Nachteile setzt: nicht nur Spott und Hohn. Man wird am
Arbeitsplatz benachteiligt. Die Karriere läuft nicht. Oder man
bekommt den Job erst gar nicht. Auch wer in einer Spitzenposition
ist, in der Wirtschaft oder in der Politik, outet sich nicht. Weil
man eine schlechte Nachrede hätte, aber wahrscheinlich erst gar nicht
in diese Position gekommen wäre. Jetzt belässt man es beim Schweigen.
In Deutschlands Politik ist das im Ansatz besser. Im Sport ist es
dagegen überall gleich. Kennt wer einen schwulen Fußballer? Eben.
Menschen werden also wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer
Partnerwahl diskriminiert. Anderswo und in Österreich. Wir haben es
mit einer intoleranten Gesellschaft zu tun, das sieht man an vielen
Beispielen, auch abseits der sexuellen Orientierung. Ein aktuelles
Bespiel: das Fremdenrecht. Der Umgang mit einem Mädchen wie Arigona
Zogaj und der Hass, der ihr entgegenschlägt, auch in den Postingforen
dieser Zeitung.
Viele rechtliche Benachteiligungen für gleichgeschlechtliche Paare
werden jetzt mit dem Gesetz, das eine "eingetragene Partnerschaft"
vorsieht, beseitigt. Das ist gut so. Noch verhandelt die Regierung um
letzte Details, am Dienstag soll ein Beschluss fallen. Es geht auch
darum, ob diese Partnerschaft vor dem Standesamt besiegelt oder nur
am Magistrat abgeschlossen werden kann. Die ÖVP lehnt das Standesamt
ab. Die Möglichkeit von Adoptionen ist für Schwule oder Lesben erst
gar nicht vorgesehen. Das lehnen ÖVP und SPÖ ab.
So ist es wieder ein Gesetz, das Benachteiligungen schafft und
einzementiert. SPÖ und ÖVP zollen einer intoleranten Einstellung
Tribut, anstatt ihr etwas entgegenzustellen und einen Schritt in
Richtung einer anderen, einer toleranten Normalität zu wagen.
Was ist die ÖVP doch für eine kleingeistige und intolerante Partei,
wenn sie es nicht aushält, dass gleichgeschlechtliche Paare gleiche
Rechte und die gleiche Zeremonie haben wollen wie andere Paare! (Von
der Kirche, selbst ein Hort und Antrieb verunglückter Sexualität,
braucht man gar nicht erst zu reden.) Es geht eben nicht nur um
rechtliche Details, es geht auch um die Symbolik, es geht darum, dass
sich zwei Menschen zueinander bekennen wollen, nicht nur am Magistrat
einen Hund anmelden.
Unsere Gesellschaft sollte in der Lage sein, gleichgeschlechtlichen
Paaren die gleichen Rechte einzuräumen wie anderen Paaren. Alles
andere ist kleingeistig, intolerant und feige. Das gilt auch für
Adoptionen. Schwule und Lesben sind nicht die schlechteren Paare oder
Eltern, die von Kindern ferngehalten werden müssen. Ja, es gibt
schlechte Eltern. Aber das hat nichts mit deren Partnerwahl zu tun.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
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