- 31.10.2009, 19:43:38
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Und sie bewegen sich doch" (Von Reinhold Dottolo)
Ausgabe vom 1.11.2009
Graz (OTS) - Nicht gegen den "Muff von tausend Jahren", der
sich unter den Talaren angesammelt habe, treten sie an. Mit den
Losungen der inzwischen meist in Ehren ergrauten Veteranen der
68er-Bewegung haben die in den Universitäten und auf den Straßen
demonstrierenden österreichischen Studenten wenig gemein. Es ist eher
der Mief der überfüllten Hörsäle, der sie verärgert. Es sind das
Warten auf Ausbildungsplätze und die mangelhafte Betreuung durch zu
wenige Professoren, die sie empören.
Kurzum: Keine von ideologischem Sendungsbewusstsein erfüllte Gruppe
hat sich hier im Großen und Ganzen zu Wort gemeldet. Es ist eine, der
es vor allem um sehr praktische Überlegungen geht und die nicht
länger die Folgen einer inkonsistenten Bildungspolitik erleiden will.
Als Wursteln auf hohem - akademischem - Niveau könnte man diese
umschreiben. Als eine, die erkennbare Probleme selten löste und den
Rest unter den Teppich kehrte.
Eine Teilschuld daran ist auch den Studenten zuzuschreiben. Zu lange
schienen diese und deren politische Vertreter vom öffentlichen
Diskurs abgemeldet. Ein kritisches Aufmucken gab es selten, die
Hochschülerschaftswahlen näherten sich, was die Beteiligung betrifft,
der Peinlichkeitsgrenze und die Studenten vermittelten überzeugend
den Eindruck, jedes gesellschaftspolitische Engagement willigst dem
raschen eigenen Fortkommen unterzuordnen. Generation Scheuklappe
sozusagen.
Doch siehe da: Sie bewegen sich doch. Die letzten Wochen haben vieles
umgedreht. Mögen die in den Hörsälen laut gewordenen Forderungen auch
teilweise unrealistisch oder wie im Falle des besetzten Audimax in
Wien lächerlich wirken. Dass sie erhoben werden, ist dennoch zu
begrüßen.
Weit über den universitären Bereich hinaus wurden durch die
überraschende studentische Aufmüpfigkeit bildungspolitische Themen
transportiert. Dass ein freier Hochschulzugang ohne viel mehr Geld
für die Unis schwer möglich sein wird, wissen inzwischen mehr
Österreicher als zuvor. Ebenso erkennen diese stärker als bisher,
dass hier in Summe keine elitären und verwöhnten Fratzen
protestieren, sondern dass in unseren hohen Schulen tatsächlich Not
am Mann und an der Frau ist.
Gut also, dass die Studenten zurück auf die Bühne gefunden haben.
Noch besser wäre es allerdings, würden sie dies auch zu konstruktiver
Selbstreflexion nützen: Die Universitäten als eine Art
Wurlitzerorgeln zu sehen, die alle Stückeln spielen, ohne dass auch
von den Studenten etwas hineingeworfen wird, das wird nicht gehen.
Nicht nur in Zeiten wie diesen. ****
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