• 29.10.2009, 19:37:38
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Funke springt über" (Von Gabriele Stark)

Ausgabe vom 30.10.2009

Innsbruck (OTS) - Die Studierenden sind aus ihrem jahrelangen Koma
erwacht. Die akademische Elite ist erfreut darüber.

Was soll denn das? Da rottet sich ein Häufchen Studenten zusammen
und besetzt einfach den größten Hörsaal Österreichs. Und das, ohne im
Vorfeld wochenlang über Für und Wider in Gremien zu diskutieren, ohne
Funktionäre - einfach so, aus dem Nichts heraus.

Diese für Österreich so unübliche Vorgangsweise erstaunt und sorgt
seit einer Woche für Ratlosigkeit. Niemand weiß so recht damit
umzugehen, schließlich sind die österreichischen Spielregeln nicht
eingehalten worden.

Schnell wurden die Besetzer in Wien als Chaotenhaufen
abgestempelt, doch es half nichts mehr. Der Funke sprang langsam,
aber doch auf alle Universitätsstandorte über und riss die
Studierenden aus ihrem Wachkoma, in dem sie sich jahrelang befunden
hatten. Verschulte Studienpläne und der Kampf Student gegen Student
um Seminar- und Übungsplätze haben gelähmt und keine Zeit zum
kreativen Denken oder Hinterfragen von Gegebenem gelassen. Doch eine
Universität muss genau dafür auch Platz und Zeit bieten. Das
unterscheidet sie von reinen Ausbildungsinstitutionen.

Wegen der miserablen Studienbedingungen selbst nahm der Protest
vor über einer Woche auch seinen Anfang und keineswegs wegen einem
plakativen Nein zu Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Und so
verwundert es auch nicht, dass sich so manche Rektoren, vor allem
aber die Professoren über die Proteste freuen - wenn bislang viele
auch nur hinter vorgehaltener Hand. Sie sind dankbar, dass endlich
jemand die Probleme laut und deutlich anspricht. Nur sollten sie alle
das auch ebenso deutlich äußern.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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