• 28.10.2009, 09:42:12
  • /
  • OTS0040 OTW0040

Pensionen: Mut zum Schließen der Lücke gefordert

32 Prozent der Arbeitnehmer haben Anspruch auf eine Firmenpension

Wien (OTS/PWK803) - Dass sich die heute Jungen auf eine
Pensionslücke einstellen müssen, davor warnen Wirtschaftsforscher
seit mehreren Jahren. Wie groß die Lücke für manche sein wird, hat
das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) errechnet. Bei Arbeitnehmern
mit fehlenden Versicherungszeiten und einem klassischen Karriereweg
mit steigendem Einkommen wird sie besonders groß ausfallen: Im Jahr
2050 wird deren Anfangspension im Vergleich zum Letztgehalt um elf
Prozent geringer sein als bei den heutigen Neo-Pensionisten.

Damit die Pensionslücke geringer ausfällt, empfiehlt das WIFO den
Ausbau zusätzlicher Formen der Altersvorsorge, wie zum Beispiel der
Firmenpensionen. "Da wir über die absehbare Lücke schon heute
Bescheid wissen, können wir rechtzeitig etwas dagegen unternehmen.
Der Ausbau ergänzender Firmenpensionen wäre ein sinnvoller Weg, damit
die heute jungen Arbeitnehmer in der Pension ihren Lebensstandard
annähernd halten können", so der Pensionsexperte des WIFO, Thomas
Url.

In einer aktuellen Studie hat das WIFO erhoben, wie groß der
Beitrag der Firmenpensionen als Ergänzung der gesetzlichen Pension
ist. Laut der Studie hat bereits ein Drittel aller unselbstständig
Beschäftigten Anspruch auf eine Betriebspension.

Die 865.000 Arbeitnehmer mit einem Anspruch auf Betriebspension
verteilen sich auf ein Viertel aller heimischen Unternehmen. Damit
hat sich die Zahl der Arbeitnehmer mit Anspruch auf eine
Firmenpension seit dem Jahr 2000 von damals 16 Prozent zwar fast
verdoppelt, dennoch geht das Wachstum aus Sicht der Experten viel zu
langsam vor sich. Url: "Vor allem in kleinen und mittleren
Unternehmen mit weniger Mitarbeitern ist die Firmenpension noch nicht
angekommen."

Christian Böhm, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen, ortet
als Ursache des langsamen Wachstums eine Vogel-Strauß-Mentalität bei
den Österreichern: "Viele glauben, dass die Pensionslücke nicht
kommt, wenn man sie einfach ignoriert. Dieses Denken ist sowohl bei
Entscheidungsträgern als auch in der Bevölkerung zu beobachten. Wenn
wir nicht bald Maßnahmen für mehr Firmenpensionen setzen, dann werden
die heute Jungen sich im Alter weit weniger leisten können."

Den größten Anteil an den Firmenpensionen verwalten die
Pensionskassen: Bereits 620.000 Menschen haben ein Konto bei einer
Kasse. Das Wachstum ist laut Fachverband trotz der Finanzkrise
ungebremst: "Nur in diesem Jahr haben die Pensionskassen schon 60.000
neue Kunden gewonnen", so Böhm.

Die Entscheidung für oder gegen eine Firmenpension wird in den
Unternehmen hauptsächlich von finanziellen Überlegungen beeinflusst:
85 Prozent der Unternehmen ohne Betriebspension meinen, dass die
Arbeitnehmer Lohnerhöhungen einer Firmenpension vorziehen würden, und
rund 80 Prozent scheuen die langfristige finanzielle Bindung. In der
WIFO-Umfrage meinen fast 90 Prozent aller Unternehmen, dass der
größte Anreiz für die Einrichtung einer Firmenpension die steuerliche
Erleichterung der Beitragszahlung wäre.

Große Unterschiede in der Verbreitung von Firmenpensionen gibt es
in den einzelnen Branchen. In der Finanzbranche, im Unterrichtswesen
und in der Gesundheitsbranche ist die Firmenpension ein fixer
Bestandteil für nahezu alle Betriebe: 99,3 Prozent
(Unterrichtswesen), 96,4 Prozent (Finanzberufe) und 90,4 Prozent
(Gesundheitsberufe) der Unternehmen haben dort eine betriebliche
Vorsorge eingerichtet. Die Nachzügler bei den Firmenpensionen sind
die öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen (13,1 Prozent der
Betriebe), sowie erwartungsgemäß die Branchen mit Saisonarbeit:
Bauwesen (7,6 Prozent) und Gastgewerbe (3,7 Prozent).

Der internationale Vergleich zeigt, dass in vielen Ländern derzeit
eine Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge erfolgt. Vor allem
in Osteuropa werden einkommensabhängige Pensionszahlungen zunehmend
über kapitalgedeckte Betriebspensionen abgewickelt. In Frankreich und
der Schweiz gibt es sogar eine gesetzliche Pflicht zur Einrichtung
einer Firmenpension. Für Böhm würde eine Verpflichtung in Österreich
allerdings zu weit gehen: "Es reicht schon, wenn den Unternehmen
zusätzliche Anreize für Firmenpensionen geboten werden, wie
beispielsweise eine steuerliche Erleichterung. Damit würde die zu
erwartende Pensionslücke für alle weniger schmerzhaft ausfallen."

Was die Performance betrifft, so sehen die Pensionskassen für
dieses Jahr eine positive Entwicklung. Per Ende September hatten die
Pensionskassen bereits 7,4 Prozent Ertrag bei den veranlagten
Pensionsgeldern erwirtschaftet. Laut Böhm wird für das Jahresende
eine positive Nachricht für Arbeitnehmer und Firmen-Pensionisten
immer wahrscheinlicher: "Derzeit liegen wir deutlich über dem
langjährigen Veranlagungserfolg von durchschnittlich 5,74 Prozent."

Bei Firmenpensionen zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in
Pensionskassen monatlich Beiträge ein, die später in der Pension
verzinst ausbezahlt werden. Die durchschnittliche Zusatzpension
beträgt 490 Euro pro Monat. Insgesamt veranlagen die 19
Pensionskassen ein Vermögen von
12,4 Mrd. Euro. Sie sind damit der größte private Pensionszahler
Österreichs. (RH)

Bitte beachten Sie folgende Grafiken / Fotos zum Download:

Grafik Entwicklung der Firmenpensionen in Österreich von 2000 bis
2007:
http://www.pensionskassen.at/images/Pensionskassen_2000-2007.jpg

Foto Prof. Dr. Karl Aiginger, Leiter des Österreichischen Instituts
für Wirtschaftsforschung: Foto auf Anfrage

Foto Mag. Christian Böhm:
http://www.pensionskassen.at/images/boehm1.jpg
Bildtext: Mag. Christian Böhm, Obmann des Fachverbandes der
Pensionskassen, Copyright: FVPK

Foto Dr. Thomas Url, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des
Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung: Foto auf Anfrage

Rückfragehinweis:

WIFO Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung 
   Dr. Thomas Url
   Tel: (01) 798 26 01-279
   Fax: (01) 798 93-86
   E-Mail: [email protected]
   Web: http://thomas.url.wifo.ac.at/
   
   Fachverband der Pensionskassen:
   Dr. Fritz Janda
   Tel.: (0) 5 90 900-4108
   E-Mail: [email protected]
   Web: http://www.pensionskassen.at
   
   Pressestelle:
   The Skills Group
   Christiane Fuchs-Robetin
   Tel.: (01) 505 26 25-66
   E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel