OTS0289 / 07.10.2009 / 14:36 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Menschenrechtsausschuss / Parlament


Menschenrechtsausschuss fasst zahlreiche Entschließungen Abgeordnete wollen VerteidigerInnen von Menschenrechten unterstützen =


   Wien (PK) - Eine Reihe von Entschließungen zu unterschiedlichen 
Menschenrechtsfragen - das ist das Ergebnis der heutigen Beratungen 
des Menschenrechtsausschusses des Nationalrats. Die Abgeordneten 
appellieren unter anderem an die Regierung, sich eingedenk des Falls 
des Eisernen Vorhangs vor genau 20 Jahren weltweit für Meinungs- und 
Versammlungsfreiheit einzusetzen und all jene zu unterstützen, die 
wegen der Verteidigung von Menschen- und Minderheitenrechten verfolgt 
werden. Gleichzeitig machen sie sich für eine Aufklärung der im Iran 
stattfindenden Scheinprozesse und Folterungen von 
Oppositionsanhängern stark, treten für die Unterstützung der Rechte 
der christlichen Assyrer in der Türkei sowie den Erhalt des 
christlichen Klosters Mor Gabriel ein und sprechen sich für einen 
verbesserten Schutz der Zivilbevölkerung in Konfliktsituationen im 
Rahmen der UN-Sicherheitspolitik aus. Auch bezüglich der 
"Umerziehungslager" in China fasste der Ausschuss eine Entschließung. 
Vertagt wurden hingegen drei Initiativen der FPÖ betreffend die so 
genannten "Heimatvertriebenen".
Basis für die vom Ausschuss großteils einstimmig gefassten 
Entschließungen bildeten drei Anträge der Koalitionsparteien sowie je 
ein Antrag des BZÖ und der Grünen. Zunächst ging es dabei um die 
"Laogai" genannten chinesischen Umerziehungs- bzw. Arbeitslager, zu 
denen ein vom BZÖ vorgelegter Entschließungsantrag des BZÖ in Form 
eines B-S-V-Abänderungsantrags angenommen wurde. Die Abgeordneten 
fordern die Regierung auf, sich auf diplomatischem Weg dafür 
einzusetzen, dass die Informationslage über die Lager verbessert 
wird. Zudem mahnen sie die Einhaltung menschenwürdiger 
Haftbedingungen ein.
Trotz anfänglicher Skepsis stimmten auch die Grünen dem abgeänderten 
Entschließungsantrag zu. Zuvor hatte Abgeordneter Albert Steinhauser 
scharfe Kritik an der Einrichtung der Lager geübt und gemeint, die 
Forderung nach menschenwürdigen Haftbedingungen greife zu kurz, da es 
prinzipiell keine menschenwürdigen Umerziehungslager gebe. Der im 
Rahmen der Beratungen vorgelegte B-S-V-Abänderungsantrag betrifft 
lediglich die Begründung, die in manchen Punkten adaptiert wurde.
Auf Initiative der Grünen fasste der Ausschuss eine Entschließung 
betreffend das harte Vorgehen der iranischen Regierung gegen die 
Opposition. Die Abgeordneten ersuchen die Regierung, sich auf 
internationaler und bilateraler Ebene für eine Einreiseerlaubnis der 
zuständigen UN-Sonderberichterstatter in den Iran einzusetzen, um 
Scheinprozesse gegen Protestanhänger und Folterungen in iranischen 
Gefängnissen aufzuklären. Auch diese Entschließung wurde in Form 
eines Abänderungsantrages gefasst, den SPÖ und ÖVP gemeinsam 
vorgelegt hatten. Abgeordneter Rudolf Plessl (S) wies darauf hin, 
dass im Iran mehr als 4.000 Oppositionsführer und -anhänger verhaftet 
worden seien. Die Zustimmung erfolgte mit S-V-B-G-Mehrheit. 
Vom Ausschuss einstimmig angenommen wurde ein Entschließungsantrag 
der Koalitionsparteien, in dem die Abgeordneten für die Unterstützung 
der Rechte der christlichen Assyrer in der Türkei und für die 
Erhaltung des Klosters Mor Gabriel eintreten. Das syrisch-orthodoxe 
Kloster sei eines der wenigen verbliebenen christlichen Zentren in 
der Türkei und trage dazu bei, dass die aramäische Sprache nicht 
aussterbe, heißt es in den Erläuterungen. Gleichzeitig fordern die 
Abgeordneten die Regierung auf, sich weiterhin und konsequent für die 
Einhaltung und Durchsetzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit, 
insbesondere für christliche, jüdische und andere religiöse 
Minderheiten in der Türkei einzusetzen.
Abgeordneter Bernhard Vock (F) zeigte im Zusammenhang mit dem Antrag 
wenig Verständnis dafür, dass die Türkei von der EU regelmäßig 
Heranführungsbeihilfen erhalte, obwohl Menschenrechtsverletzungen 
evident seien. Dazu hielt Außenminister Michael Spindelegger fest, es 
gebe regelmäßige Fortschrittsberichte über die Entwicklung der 
Türkei. Würden wesentliche Vorgaben nicht erfüllt, gebe es seitens 
der EU auch kein Geld.
Gleichfalls einstimmig nahm der Ausschuss einen weiteren V-S-
Entschließungsantrag an, der darauf abzielt, die österreichische 
Regierung in ihrem Bemühen zu unterstützen, weltweit für Meinungs- 
und Versammlungsfreiheit einzutreten und sich für jene einzusetzen, 
die Menschenrechte verteidigen. Europa sei seit dem Fall des Eisernen 
Vorhangs zu einer Wertegemeinschaft zusammengewachsen, die auf 
Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte 
basiere, heißt es im Antrag, in weiten Teilen der Welt würden aber 
nach wie vor Menschen verfolgt, die friedlich für freie Wahlen und 
die Einhaltung von Menschenrechten eintreten bzw. Minderheitenrechte 
einfordern.
Ein von Ausschussvorsitzender Alev Korun (G) zu diesem Antrag 
eingebrachter Abänderungsantrag fand keine Mehrheit. Korun wollte 
dezidiert auch Österreich im Antrag erwähnt wissen und meinte, auch 
Personen und NGOs, die sich in Österreich für Menschenrechte 
einsetzen, müssten unterstützt werden. Dazu hielt Abgeordnete Sonja 
Steßl-Mühlbacher (S) fest, dass der Ausdruck "in allen Teilen der 
Welt" auch Österreich mit umfasse. Abgeordneter Franz Glaser (V) 
unterstrich, die Einhaltung der Menschenrechte sei in vielen Ländern 
nicht gewährleistet, wobei vor allem jene leiden, die sich für 
Menschenrechte einsetzten.
Schließlich stimmte der Ausschuss einhellig einem V-S-
Entschließungsantrag zu, in der die Koalitionsfraktionen für eine 
Verbesserung des Schutzes der Zivilbevölkerung in Konfliktsituationen 
im Rahmen der UN-Sicherheitspolitik eintreten. Österreich solle 
während seiner zweijährigen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat 
diesbezüglich eine aktive Rolle einnehmen, die aktive Einbindung von 
Frauen in Friedensprozesse unterstützen sowie seine Rolle als 
Vermittler und Ort des Dialogs stärken, verlangen die Abgeordneten.
Auch hier konnten sich die Grünen mit einem Abänderungsantrag nicht 
durchsetzen. Abgeordnete Korun wollte die Entschließung um die 
Forderung ergänzen, in Österreich einen zivilen Friedensdienst 
aufzubauen und diesen finanziell ausreichend zu dotieren. Im Rahmen 
dieser Einrichtung sollten ihr zufolge zivile Friedensfachkräfte in 
Konfliktherde entsendet werden.
Vorerst kein Gedenktag für "Heimatvertriebene"
Zum Thema vertriebene Altösterreicher lagen dem Ausschuss drei 
Entschließungsanträge der FPÖ vor. Die Abgeordneten fordern darin 
Initiativen der Regierung zur Abschaffung der so genannten Benes-
Dekrete in Tschechien (235/A[E]), die Einführung eines Gedenktags zur 
Erinnerung an das Schicksal und die Anliegen der österreichischen 
Heimatvertriebenen (236/A[E]) und die Unterstützung und Umsetzung der 
"Triester Erklärung" vom 31. März 2007 (237/A[E]). In dieser 
Erklärung fordern die vertriebenen, geflüchteten und deportierten 
Völker und Volksgruppen Europas u.a. die Wiedergutmachung von im 
Zusammenhang mit Vertreibung und Deportation begangenen Verbrechen.
Abgeordneter Gerhard Kurzmann (F) begründete die 
Entschließungsanträge seiner Fraktion damit, dass sich die Rechtslage 
in Tschechien und Slowenien in Bezug auf die heimatvertriebenen 
AltösterreicherInnen auch nach dem EU-Beitritt nicht geändert habe, 
obwohl der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Gegenteiliges in 
Aussicht gestellt hatte. Seitens der politischen Elite gebe es nach 
wie vor keinerlei Signale, das begangene Unrecht zu verurteilen, 
kritisierte er.
Abgeordneter Norbert Kapeller (V) sprach sich für eine Vertagung der 
Anträge aus und verwies auf die Absicht, sich im Rahmen einer 
Arbeitsgruppe mit dem Thema zu beschäftigen. Ebenso sollen ihm 
zufolge die Ergebnisse der neuen Historikerkommission abgewartet 
werden, deren Einrichtung Tschechien und Österreich vereinbart haben. 
Die Forderung nach Abschaffung aller Benes-Dekrete gehe jedenfalls zu 
weit und würde nur die Hardliner in Tschechien stärken, zeigte sich 
Kapeller überzeugt. Damit würde man in Tschechien vermutlich ähnliche 
Reaktionen provozieren wie in Österreich nach der Verhängung der 
Sanktionen durch die EU.
Abgeordnete Marianne Hagenhofer (S) wies darauf hin, dass es um eine 
emotionale und sensible Angelegenheit gehe. Man dürfe auch die 
Vorgeschichte der Vertreibungen nicht außer Acht lassen, meinte sie 
und plädierte für einen umfassenden Dialog. Die Frage sei, wie gehe 
das neue Europa mit der Vergangenheit um.
Auch Abgeordneter Wolfgang Pirklhuber (G) drängte auf einen breiten 
Dialog im Sinne einer besseren Völkerverständigung. Einseitige 
Polemik habe noch nie irgendjemandem geholfen, meinte er und stellte 
in diesem Sinn die Ablehnung der FPÖ-Anträge durch die Grünen in 
Aussicht. Auch Österreich habe, so Pirklhuber, lange gebraucht, um 
seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Für Tschechien seien die Benes-
Dekrete so etwas wie Staatsgründungsdokumente, gab er zu bedenken, 
die Forderung nach Aufhebung aller Dekrete würde sicher als 
inadäquate Einmischung empfunden. Zur Frage des Vertriebenen-
Gedenktags merkte Pirklhuber an, es lebten viele Vertriebene in 
Österreich, nicht nur vertriebene Altösterreicher.
Abgeordneter Christian Lausch (F) kritisierte, dass die Anträge der 
FPÖ mit der Vertagung auf "die lange Bank" geschoben würden. Der 
Bundesregierung sei das Thema offenbar nicht wichtig, klagte er. Sie 
wolle wohl niemanden vergrämen und verärgern. 
Abgeordneter Gerald Grosz stellte namens des BZÖ die Zustimmung zu 
allen drei FPÖ-Anträgen in Aussicht, auch wenn er die Forderung nach 
Aufhebung der Benes-Dekrete als zu unpräzise wertete. Es gehe um die 
Unrechtsparagraphen der Dekrete, betonte er, man könne von einem Land 
nicht verlangen, seine Verfassung abzuschaffen. Jedenfalls würden 
durch die Dekrete Menschenrechte verletzt, bekräftigte Grosz.
Empört äußerte sich Grosz über die Vertagung des Antrags betreffend 
die Einrichtung eines Vertriebenen-Gedenktags. Es gebe Hunderte 
Gedenktage in Österreich, meinte er, nur für die Vertriebenen solle 
es offenbar keinen geben. Auch Abgeordneter Leopold Mayerhofer (F) 
drängte auf die Schaffung des Gedenktags.
Außenminister Michael Spindelegger erinnerte an die Zielsetzung der 
österreichischen Politik, nämlich die Anerkennung des Unrechts der 
Vertreibungen durch die tschechische Seite und das Setzen einer 
symbolischen finanziellen Geste zur Wiedergutmachung und Versöhnung. 
Seiner Darstellung nach gibt es derzeit allerdings keine 
entsprechende Bereitschaft von Seiten der tschechischen Politik. Was 
Österreich tun könne, sei, so Spindelegger, das Thema am Tisch zu 
lassen. Er hofft in diesem Zusammenhang, dass die mit Tschechien 
vereinbarte Einsetzung einer neuen Historikerkommission wieder 
Bewegung in die Sache bringt.
Alle drei Anträge der FPÖ wurden mit S-V-Mehrheit vertagt. (Schluss)
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