Wien (OTS/SK) - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sprach anlässlich des 100. Geburtstags von Hertha Firnberg gestern, Dienstag, im historischen Sitzungssaal des Parlaments zum Thema "Hertha Firnberg - Reformpolitikerin in einer Zeit der politischen Öffnung". Prammer betonte, "Hertha Firnberg war eine besondere Frau, die das Leben vieler Menschen nachhaltig geprägt hat". Auch SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl nahm im Rahmen der Festveranstaltung an einer Podiumsdiskussion zum Thema "Hertha Firnbergs Vermächtnis: Wissenschafts- und Forschungspolitik für das 21. Jahrhundert" teil. Der Ruf nach der Wiedereinführung von Studiengebühren werde durch den Massenansturm an den Universitäten wieder lauter, erklärte Kuntzl. Kuntzl machte klar, dass sie sich gegen die Wiedereinführung jeglicher Zugangsbeschränkungen verwehre, denn dies widerspräche ihrer Überzeugung. ****
Das oberste Ziel Firnbergs sei die Erreichung von Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung und Hochschulen gewesen, unabhängig von Geschlecht und sozialem Status, so die Nationalratspräsidentin. Prammer machte jedoch darauf aufmerksam, dass "die soziale Hierarchie immer noch die Bildungschancen und den Bildungsgrad beeinflusst". Hertha Firnberg bleibe als eine Person in Erinnerung, für die kein noch so unlösbar scheinendes Problem nicht zu bewältigen gewesen wäre. Auch Prammer selbst wurde in ihren jungen Jahren durch Hertha Firnberg geprägt, denn ihre Anstrengung ermöglichte den Frauen und Mädchen der damaligen Zeit eine universitäre Ausbildung, so Prammer.
Durch Hertha Firnberg wurden die Studiengebühren abgeschafft. Dies wurde jedoch ohne sozialdemokratische Regierungsbeteiligung sofort wieder rückgängig gemacht. Auch im Moment werde der Ruf nach der Abschaffung der Studiengebühren wieder laut. Die Universitäten beklagten sich auch damals über den "Massenansturm". Sie sei klar gegen die erneute Einführung von Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen, so Kuntzl. Die Wissenschaftssprecherin betonte, "wir brauchen mehr, nicht weniger Studierende in Österreich". Alles andere entspräche nicht der bildungspolitischen Überzeugung der Sozialdemokratie, so Kuntzl weiter.
Kuntzl kritisierte ebenfalls das Universitätsrecht aus dem Jahr 2002, das ohne sozialdemokratische Regierungsbeteiligung eingeführt wurde. Damals seien bis auf den Senat alle demokratischen Vertretungsinstitutionen abgeschafft worden. Der Senat sei das letzte, demokratisch legitimierte, gewählte Organ an den Universitäten. Die Sozialdemokratie konnte jedoch im Rahmen der jetzigen UG-Novelle erreichen, dass im Senat nicht mehr eine absolute Mehrheit der ProfessorInnen herrsche, sondern die Angehörigen des so genannten Mittelbaus, also wesentliche Leistungsträger an den Universitäten, in diesem Gremium besser vertreten seien, so Kuntzl.
Zwtl.: Chancengleichheit dringend notwendig
Die wichtigsten Leitsätze der damaligen sozialdemokratischen PolitikerInnen seien Chancengleichheit und die Durchflutung aller gesellschaftlichen Bereiche mit Demokratie gewesen, so Kuntzl. Ein freier Zugang zur Hochschulen, vor allem für junge Frauen, sowie eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Hochschulen seien dadurch erreicht worden.
Sie würde sich wünschen, dass die damaligen Anliegen in puncto Chancengleichheit heutzutage keine aktuellen Probleme mehr darstellen. Die Wissenschaftssprecherin betonte, sie werde nicht müde werden, aufzuzeigen, dass "Investitionen in Bildung und Forschung wesentliche Zukunftsinvestitionen für unser Land sind", so Kuntzl abschließend. (Schluss) ab
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