- 30.09.2009, 14:09:31
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ORS zu Digitaler Dividende: Belege für die Argumente der Mobilfunkbranche fehlen
Studie belegt dagegen klar: Volkswirtschaftlicher Nutzen einer Umwidmung der Frequenzen für den Mobilfunk zweifelhaft. Zynismus der Mobilfunkbranche ist unangebracht.
Wien (OTS) - Die Mobilfunkbranche bringt fünf zentrale Argumente
ins Spiel, die den Nutzen einer Vergabe der Digitalen Dividende an
die Mobilfunkbranche angeblich klar belegen sollen. In Wahrheit
handelt es sich dabei aber nur um Behauptungen, die einer näheren
Überprüfung nicht standhalten
1. Behauptung: "Jährliche Mobilfunk-Investitionen in Österreich im
3-stelligen Millionen-Euro-Bereich".
Entgegnung: Hohe Investitionen in eine Versorgung der ländlichen
Gebiete mit konkurrenzfähigem Breitbandinternet (von der EU werden
Übertragungsraten von mindestens 50 bis 100 Mbit/s gefordert) müssen
durch die Mobilfunkindustrie in jedem Fall erfolgen, ob über
Rundfunkfrequenzen oder andere, bessere Übertragungswege. Die
aktuelle volkswirtschaftliche Vergleichsstudie des Telekomexperten
Dr. Ernst-Olav Ruhle im Auftrag von Rundfunkanbietern,
Kabelnetzbetreibern und Sekundärnutzern der professionellen
Drahtlostechnologie zeigt deutlich, dass hohe Investitionen in
mobiles Breitband die Gefahr einer Fehlinvestition in sich bergen, da
es sich bei mobilem Breitband nur um eine Übergangstechnologie
handelt, die Bandbreiten dieser Größe für einen breiten Nutzerkreis
nicht gewährleisten kann. Von der Mobilfunkbranche präsentierte
Feldversuche mit LTE (Long Term Evolution), die der Öffentlichkeit
Übertragungsraten von 100 Mbit/s vorgaukeln, sind mit höchster
Vorsicht zu genießen, da diese Übertragungsraten nur für einen Nutzer
bei idealen Bedingungen gelten. Bei mehreren Nutzern werden diese
Geschwindigkeiten aber geteilt und können diese Geschwindigkeiten
daher für einen breiten Nutzerkreis nicht gewährleisten.
2. Behauptung: "Wachstumsförderung durch Entwicklung von neuen
Anwendungen"
Entgegnung: Diese Behauptung ist eine Leerbehauptung, denn die
Mobilfunkindustrie braucht nicht die Digitale Dividende, um neue
Anwendungen zu entwickeln. Der Rundfunk hingegen hat nur diese
Frequenzen, die Mobilfunkbranche hat zahlreiche bessere Alternativen
(wie Glasfaserausbau, Kabelnetze, VDSL, Funklösungen, Satellit oder
UMTS).
3. Behauptung: "BIP-Anstieg um durchschnittlich 3 bis 4 Prozent durch
Produktivitäts-Revolution Breitband"
Entgegnung: In Bezug auf die Digitale Dividende eine weitere
Leerbehauptung ohne konkrete Herleitung und aussagekräftiges
Zahlenmaterial! Die Zukunft des Breitbandinternets braucht bei rasant
steigendem Breitbandbedarf leistungsstarke Kabel- und Glasfasernetze.
Zahlreiche Studien zeigen, dass Investitionen in nicht
konkurrenzfähige Technologien mittel- bis langfristig
Standortnachteile bringen. Kein Unternehmen mit dem Bedarf von
schnellem Internet kann sich langfristig mit den mobil erzielbaren
Übertragungsraten auf dem Land niederlassen, ohne
Wettbewerbsnachteile zu haben. Damit wird dem mündigen Bürger Sand in
die Augen gestreut. Die Überwindung der Kluft zwischen Stadt und
Land, die von der Mobilfunkindustrie propagiert wird, wird durch
Fehlinvestitionen in Breitbandinternet über die freiwerdenden
Rundfunkfrequenzen nur weiter erhöht, statt durch eine Anbindung an
wirklich leistungsfähige Netze verringert.
4. Behauptung: "Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze zum Beispiel
auch in Branchen wie Bauwirtschaft, Lieferanten und örtliches Gewerbe
(weltweit 25 Mio. Arbeitsplätze)"
Entgegnung: Die Argumentation mit weltweit 25 Millionen
Arbeitsplätzen ist in Bezug auf die Digitale Dividende in Österreich
irrführend: Diese Arbeitsplätze beziehen sich auf das Potenzial einer
flächendeckenden Versorgung mit Breitbandinternet inklusive
angrenzender Branchen weltweit. Das hat aber nichts mit der Digitalen
Dividende und Rundfunkfrequenzen in Österreich zu tun, die der
Rundfunk volkswirtschaftlich nutzbringender als die Mobilfunkbranche
verwenden kann. Die Rundfunkbranche unterstützt selbstverständlich
den Ausbau von wirklich leistungsfähigem Breitbandinternet im
ländlichen Raum, da hier zahlreiche Synergien zu erreichen sind, wie
die Entwicklung im Bereich internetbasiertes Fernsehen (IPTV) zeigt.
5. Behauptung: "Weiterhin günstige Angebote für alle Kundinnen und
Kunden"
Entgegnung: Günstige Angebote der Zukunft (im Jahr 2020), werden
nicht mit einer durchschnittlichen Übertragungsrate von 6 Mbit/s für
einen breiten Nutzerkreis auskommen, da diese Übertragungsrate nicht
zukunftsfähig ist. Die erforderlichen Bandbreiten sind rasant im
Anstieg. Hohe Investitionen in eine Übergangstechnologie sind laut
Studienautor Ruhle Fehlinvestitionen. Für den Rundfunk dagegen sind
die im Rahmen der Digitalen Dividende freiwerdenden Frequenzen
lebensnotwendig, denn der Rundfunk hat keine anderen Frequenzen für
seine Weiterentwicklung.
Zum Thema erhebliches Störpotenzial des Fernsehens und von
Funkmikrofonen, die von allen Kultur- und Sportveranstaltern genutzt
werden, durch den Mobilfunk sagte Hutchison 3-CEO Berthold Thoma bei
der heutigen FMK-Veranstaltung: "Die paar Klassikfreaks und die paar
alten Set-Top-Boxen sind nicht mal eine Diskussion wert." Dem
entgegnet Mag. Michael Weber, Leiter Sales, Marketing und Corporate
Communications ORS: "Das zeugt nicht nur von Unwissenheit, sondern
auch von völlig unangebrachtem Zynismus gegenüber Menschen, denen es
nicht so gut geht wie Herrn Thoma. So darf man mit Menschen nicht
umgehen!" Vor allem Endverbraucher (mehr als 800.000 Menschen in
Österreich haben eine Set-Top-Box) werden neben der Industrie durch
eine Umwidmung der Frequenzen von erheblichen Kosten in der Höhe von
insgesamt 150 Millionen Euro in Österreich getroffen.
Auch ein weiteres Argument der Mobilfunkbranche "Wir müssen
handeln, ganz Europa hat schon entschieden", weist die
Rundfunkbranche entschieden zurück. In vielen Ländern der EU ist eine
Entscheidung über die Digitale Dividende noch ausständig, vor allem
in den Ländern Zentral- und Osteuropas, wo die Digitalisierung des
Fernsehens überwiegend noch gar nicht begonnen wurde. Die
Entscheidung dieser Länder hat aber bedeutende Auswirkungen auf die
Entscheidung in Österreich und eine sinnvolle Widmung des
Frequenzspektrums.
Rückfragehinweis:
ORS Österreichische Rundfunksender GmbH & Co KG Mag. Michael Weber Leiter Sales, Marketing und Corporate Communications Würzburggasse 30, 1136 Wien Tel.: + 43 | 1 | 870 40 - 12942 Fax: + 43 | 1 | 870 40 - 12964 E-Mail: michael.weber@ors. www.ors.at
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