- 08.09.2009, 16:05:15
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"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Da reden Blinde von der Farbe"
Über den Unterschied der Zockerei von Kommunalkredit und Finanzagentur.
Wien (OTS) - Wer 2005 oder 2006 Wucht und Umfang der Finanzkrise
vorausgesehen hätte, wäre heute der reichste Mensch der Welt. Es hat
aber niemand vorausgesehen. Damals investierten alle Banken mit
großem Eifer in Papiere, die mit hoher Bonität ausgestattet waren,
aber mit wenig Substanz. Dass in der Folge eine Großbank wie Lehman
Brothers pleitegehen würde (vor fast genau einem Jahr), und in der
Folge die Banken ihr Geldgeschäft untereinander einfach einstellen,
hat auch alle am linken Fuß erwischt.
Geld dabei verloren haben alle Teilnehmer, zwei stehen im Moment
in der Auslage: Die Bundesfinanzierungsagentur und die
Kommunalkredit. Erstere wegen drohender Verluste von 380 Millionen
Euro plus Entscheidungen von Ex-Finanzminister Wilhelm Molterer;
Zweitere musste Ende Oktober 2008 notverstaatlicht werden - 2004 bis
Anfang 2007 saß Claudia Schmied dort im Vorstand.
Und da in der Politik halt gerne "Hau den Lukas" gespielt wird,
fliegen die Fetzen, wer nun der bösere Spekulant gewesen sein soll.
Da die Ahnungslosigkeit über wirtschaftliches Handeln in der Politik
bestürzende Ausmaße annimmt, ein kurzer Vergleich der beiden
Abstürze: Gleich ist beiden, dass sie sich - ohne groß nachzufragen
- auf die Ratingagenturen verlassen haben (was die ganze Welt damals
tat). Gleich war auch die Absicht dahinter: mehr Geld zu verdienen.
Damit endet die Vergleichbarkeit. Die Kommunalkredit stand - nach
Ausscheiden von Schmied - im Eigentum der Volksbanken. Die sind nicht
gerade eine SP-Veranstaltung. Die Kommunalkredit musste den Gemeinden
möglichst billige Kredite zur Verfügung stellen, und der Eigentümer
wollte Dividenden sehen. Also wurden die Einnahmen gesteigert - genau
mit jenen Papieren, die 2008 nix mehr wert waren. Die Kommunalkredit
bekam keine Re-Finanzierung mehr, die Volksbank war überfordert -
Ende Oktober sprang der Staat als Retter ein.
Ob diese Geschäfte richtig bilanziert worden waren? Nun, viele
Institute in Österreich rechneten die Geschäfte so ab. Wenn die
Kommunalkredit falsch lag, dann lagen viele andere auch falsch. Ob so
eine Debatte dem Finanz-Standort Wien gut tun würde, darf tatsächlich
bezweifelt werden.
Die Kommunalkredit investierte zu dem Zeitpunkt privates Kapital,
die Bundesfinanzierungsagentur dagegen öffentliches Kapital. Das ist
ein wesentlicher Unterschied -mit Steuergeld darf es keine
Spekulation geben.
Wenn sich nun die beiden Regierungsparteien die beiden Fehlschläge
gegenseitig an den Kopf werfen, so ist das nicht nur inhaltlich
krautfalsch, sondern auch politisch dumm. Dem Bürger könnte dabei der
Verdacht kommen, rechte Hetzer könnten besser mit dem Geld umgehen
(was nicht stimmt und Blaue in Regierungsverantwortung ausreichend
bewiesen haben). Vielleicht schnallen das die Parteizentralen von VP
und SP endlich - selbst wenn sie sich in der Wirtschaft nicht
auskennen.
Rückfragehinweis:
KURIER, Ressort Wirtschaft
Tel.: 0043-1/52100-2638
mailto:[email protected]
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