• 26.08.2009, 12:57:33
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Alpbach: Gesundheitsreform ist ohne Alternative

Arbeitskreis sondierte Stärken, Schwächen und Potenziale der Gesundheitsreform - WKÖ-Gleitsmann: Ausgabenseitige, nicht einnahmeseitige Maßnahmen entscheidend

Alpbach/Wien (OTS/PWK628) - "Entscheidend für eine Reform des
Gesundheitswesens in Österreich sind aus Sicht der Wirtschaft mehr
ausgabenseitige Maßnahmen und Strukturreformen wie etwa die
konsequente Umsetzung der Finanzierung und Steuerung aus einer Hand
oder die Herstellung von Kostenwahrheit", unterstrich Martin
Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozial- und Gesundheitspolitik der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), beim Arbeitskreis "Mythos
Gesundheitsreform" im Rahmen des Forum Alpbach.

Gesundheitsminister Alois Stöger betonte: "Die Gesundheitsreform in
Österreich ist kein Mythos, sondern tägliche Realität. Die
Gesundheitsreform ist ein permanenter Prozess, den wir alle in
Angriff nehmen müssen." Er nannte als wichtigste Schwerpunkte der
Reform die Bereiche Qualitätssicherung, Innovation sowie die
Umsetzung des Projektes "E-Medikation" (jeder einzelner Verschreiber
von Medikamenten bekommt Informationen darüber, welche Medikamente
der Patient bereits einnimmt) bis Ende 2010.

Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer widersprach dem
Gesundheitsminister insofern, als er sich überzeugt zeigte: "Es gibt
seit der ASVG-Einführung im Jahr 1958 keine Gesundheitsreform, es
wird nur darüber gesprochen." Das System entferne sich immer mehr von
der Realität.

Christoph Klein, der stellvertretende Generaldirektor des
Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger,
verwies auf den problematischen Auftrag der Politik, Leistungen bei
gleichbleibender Qualität um weniger Geld erbringen zu sollen. Zudem
gebe es in Österreich einen Mangel an Daten, die klar Antwort auf die
Fragen geben: Wie gut, wie effizient werden Patienten wirklich
behandelt? Und: Verbessert mehr Geld eigentlich die Behandlung?

Patientenanwalt Konrad Brustbauer hielt fest, dass die vorliegende
Einigung bei der Gesundheitsreform aus Sicht der Patienten - die ja
auch die Zahler seien - positiv zu beurteilen ist. Die jetzige
Situation sei aber nur eine Station am Beginn des Reformweges. Er
hielt aber auch fest: "Die Patienten sind mit der
Gesundheitsversorgung in Österreich zufrieden."

WKÖ-Gesundheitsexperte Gleitsmann plädierte für eine umgehende
Umsetzung von E-Health-Anwendungen wie E-Medikation und des
elektronischen Gesundheitsaktes, kurz ELGA: "E-Health, also die
Entwicklung, Harmonisierung und Koordination elektronischer Dienste
im Gesundheitswesen, ist ein wichtiger Bestandteil einer
Gesundheitsreform. Sie trägt wesentlich zu besserer Information,
Koordination und Transparenz bei." Allein die Nicht-Umsetzung von
ELGA, obwohl diese technisch möglich wäre, bringt täglich Nachteile
für Patienten und birgt die Gefahr vom Aufkommen stets neuer
Insellösungen."

Auch Christoph Sauermann, Präsident des Forums der forschenden
Pharma-Industrie (FOPI), stellte den gern zitierten Mythos in Frage,
demzufolge Österreich über "das beste Gesundheitssystem der Welt"
verfüge. Und er monierte ebenfalls die rasche Realisierung von ELGA,
um an Gesundheits-relevante Daten zu kommen.

"Dazu wäre eine nationale Kraftanstrengung erstrebenswert."
Österreich hätte mit der Einführung des E-Krankenaktes eine
europaweite Vorbildwirkung, ebenso wie bei der E-Card: "Für
Deutschland konnte bis heutige kein gleichwertiges System entwickelt
werden", so Gleitsmann. (JR)

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit , Dr. Martin Gleitsmann, Tel: +43 (0)5 90 900 4286, Fax: +43 (0)5 90 900 3588

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