• 26.08.2009, 10:10:29
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Alpbach: Große Übereinstimmung beim Ruf nach umfassender Schulreform

Experten verlangen Schulautonomie, eine Schulverwaltung NEU, ein einheitliches Lehrerdienstrecht und Effizienzsteigerungen bei Bildungsvermittlung

Wien (OTS/PWK623) - "Wir gehen davon aus, dass sich in der
Schulverwaltung dringend etwas ändern wird müssen", meinte Herbert
Paierl, Präsident des management clubs in seinem einleitenden
Statement beim Arbeitskreis zum Bildungssystem am Dienstag, dem
zweiten Tag der Alpbacher Reformgespräche 2009. "Durch die
Finanzkrise und den Abschwung der Märkte mussten Konjunkturpakete
geschnürt werden, durch die die Staatsfinanzen massiv unter Druck
geraten sind." Am Beispiel des Schulsystems zeige sich aktuell, dass
Reformen der österreichischen Verwaltung gerade in
Finanzierungsfragen entscheidend sein werden. "Das alte
Schulverwaltungsmodell Österreichs strotzt vor Doppelgleisigkeiten
und Ineffizienz und ist schwer reformbedürftig", ortet Paierl im
öffentlichen Sektor "riesiges monetäres Einsparungspotenzial". Der
management club plädiert deshalb für eine "Schulverwaltung NEU", in
der Schul - und Regionalebene massiv gestärkt, die Landesebene
weitestgehend eingespart und die Bundesebene verstärkt strategische
Aufgaben übernehmen sollen. Auf Schulebene sei eine "gelebte echte
Schulautonomie" das Ziel der Bemühungen.

"Österreich leistet sich ein teures Schulsystem, das bei hohen
Kosten nur durchschnittliche Leistungen erbringt", kritisierte Thomas
Mayr, Geschäftsführer des Instituts für Bildungsforschung der
Wirtschaft. Für das massive Effizienzproblem der österreichischen
Schulverwaltung seien einerseits die vielen Verwaltungsebenen
(Bundes-, Landes-, Bezirks- und Schulebene) verantwortlich,
andererseits könne man anhand der PISA-Ergebnisse einen unmittelbaren
Zusammenhang zwischen fehlender Schulautonomie und vergleichsweise
schwachen Leistungen der Schüler erkennen. "Grundidee der neuen
Schulverwaltung ist, dass die Bundesebene die Rahmenbedingungen
definiert, die Ausführungsagenden aber vor Ort angesiedelt sind",
führte Mayr weiter aus: "Damit soll ein deutlicher Ausbau der
Schulautonomie erreicht werden." Daneben solle eine ausgelagerte
Bundesagentur für Systemmonitoring etabliert werden, die für externe
Systemkontrolle sorgt. Der regionalen Ebene kommen
Koordinierungsaufgaben zu.

Heinz Mayer, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der
Universität Wien, begrüßte das Modell, "da es die Politik dorthin
zurückdrängt, wo sie hingehört". Die Politik solle die
Rahmenbedingungen des Schulsystems erstellen, aber nicht die gängige
Praxis der Postenvergabe nach politischen Gesichtspunkten
weiterführen. Weiters regte der Verfassungsjurist an, dass das
Lehrerdienstrecht einheitliches Bundesdienstrecht werden sollte.

Für Heidi Schrodt, Direktorin des Wiener Bundesgymnasium
Rahlgasse, ist die freie Personalauswahl der Kernpunkt einer Stärkung
der Schulautonomie. Weiters forderte sie Globalbudgets, für die die
Schulen bei externer Kontrolle selbst verantwortlich sein sollen.

Der Wirtschaftswissenschafter Helmut Kramer verwies auf die
schwierige längerfristige Perspektive der Staatsfinanzen. Diese könne
eine notwendige Bildungsreform bremsen, auch wenn sich langfristig
Einsparungen durch die Reform ergeben würden. "Wünschenswert wäre
eine Schulreform, die nicht nur Personaleinsparung, sondern echte
Effizienzsteigerungen mit sich bringt", so Kramer abschließend. (TB)

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse, Mag. Rupert Haberson, Tel.: (++43) 0590 900-4362, Fax: (++43) 0590 900-263, mailto:[email protected], http://wko.at/Presse

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