• 22.05.2009, 09:58:09
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AKNÖ-Lehrlingsbefragung: Schwierige Arbeitsmarktsituation setzt Lehrlinge unter Druck

Vizepräsident Hermann Haneder: Schutzbestimmungen müssen eingehalten werden

Wien (OTS) - "Auch in wirtschaftlich schweren Zeiten darf nicht
auf die Rechte der Lehrlinge vergessen werden", erklärt Vizepräsident
Hermann Haneder anlässlich des aktuellen AKNÖ-Berichtes "Jugend sucht
Arbeit". Die im Bericht vorliegende Lehrlingsbefragung zeigt, dass
auch immer mehr Jugendliche den Druck am Arbeitsmarkt zu spüren
bekommen. Arbeits- und jugendschutzrechtliche Bestimmungen werden oft
nicht eingehalten. Von Arbeitszeitüberschreitungen bis zur
Nichtauszahlung zustehender Zulagen reichen die Übertretungen. "Das
Image der Lehre kann nur dann verbessert werden, wenn auch die
Arbeitsbedingungen für Lehrlinge passen", sagt Haneder und fordert
die Einhaltung der Schutzbestimmungen.

Mit dem Bericht "Jugend sucht Arbeit" und der aktuellen
Lehrlingsbefragung legt die NÖ Arbeiterkammer eine umfassende Arbeit
zur Jugendarbeitslosigkeit, Lehrstellen- und Lehrlingssituation in
Niederösterreich vor. Der Bericht belegt: die Krise am Arbeitsmarkt
schlägt sich in den Jugendarbeitslosenzahlen nieder. Über 11.800
junge Menschen in Niederösterreich sind derzeit auf Arbeits- oder
Lehrstellenplatzsuche. Das ist der mit Abstand höchste April-Wert
seit dem Jahr 2000.

Zusätzlich zur Statistik hat die NÖ Arbeiterkammer mehr als 1.000
niederösterreichische Lehrlinge zur arbeits- und
jugendschutzrechtlichen Situation sowie zur Zufriedenheit im
Lehrberuf und Betrieb befragt. Das Ergebnis zeigt, die derzeitige
schwierige Lehrstellensituation hat auch Auswirkungen auf bestehende
Ausbildungsverhältnisse.

Hohes Ausmaß verbotener Überstunden
Jeder dritte befragte Lehrling gibt an, mehrmals oder zumindest
einmal in der Woche Überstunden leisten zu müssen. Im Durchschnitt
machen die Lehrlinge 3,9 Überstunden pro Woche. Einige geben an,
mitunter bis zu 20 Überstunden pro Wochen zu leisten. "Obwohl
gesetzlich streng verboten, werden häufig auch minderjährige
Lehrlinge zu Überstunden herangezogen", berichtet
AKNÖ-Lehrlingsexperte Robert Hörmann. Die Befragung ergab: 27,3
Prozent der minderjährigen Lehrlinge machen regelmäßig Überstunden
trotz des generellen Überstundenverbots. Für über 18jährige gelten
die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes.

Auch bei der Ausbezahlung der Überstunden kommt es zu Übertretungen.
9 Prozent von allen befragten Lehrlingen geben an, dass sie
Überstunden leisten, diese jedoch in keiner Weise abgegolten
bekommen.

Brennpunkt Baubranche
Mehr als jeder 3. Lehrling in der Baubranche meint, dass die
kollektivvertragliche Wochenarbeitszeit in den Sommermonaten oft
überschritten wird. Bei der Frage, ob sie über zustehende Zulagen
informiert sind, fühlte sich jeder 4. Lehrling gar nicht gut
informiert. Auch bei der Auszahlung von Zulagen ortet die AKNÖ
Probleme: Beinahe jeder Fünfte (18,8%) gibt an, dass in seinem
Lehrbetrieb Zulagen nie ausbezahlt werden. "Allgemein hat uns diese
Frage gezeigt, dass hier Informationsdefizite herrschen und die
berechtigten Ansprüche der Jugendlichen oft nicht abgegolten werden",
erklärt Hörmann.

Die AKNÖ-Lehrlingshotline: 05 - 71 71 1106
"Die Ergebnisse der Lehrlingsbefragung spiegeln auch die Erfahrungen
unserer Expertinnen und Experten am Lehrlingstelefon wider", sagt
AKNÖ-Direktor Helmut Guth, "unsere Beratungshotline verzeichnet
stetig steigende Anruferzahlen. 2008 wurden 5.391 telefonische
Beratungen durchgeführt. Heuer haben bereits in den ersten vier
Monaten fast 1.900 Jugendliche Rat gesucht. Das ist eine Steigerung
um 14 Prozent."

Haneder: "Schutzbestimmungen müssen eingehalten werden"
"In der Krise darf nicht auf die Jugend vergessen werden", erklärt
Haneder und fordert die Einhaltung der Schutzbestimmungen, "die
Qualifikation der jungen Menschen muss verbessert, permanent
angepasst und evaluiert werden. Denn nur so kann aus dem Lehrling von
heute die dringend benötigte Fachkraft von morgen werden." Die AKNÖ
unterstützt die Lehrlinge und informiert sie über ihre Rechte. "Denn
je mehr ein Lehrling weiß, desto selbstbewusster kann er auch seine
Rechte einfordern", erklärt Haneder.

Weitere Informationen zur Lehrlingsbefragung finden Sie im
AKNÖ-Bericht "Jugend sucht Arbeit" unter: noe.arbeiterkammer.at

Rückfragehinweis für JournalistInnen:
Robert Hörmann, Handy: 0664 / 130 65 72

Rückfragehinweis:
AKNÖ Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (01) 58883-1252
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at

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