Graz (OTS) - Manche Medien haben vom so genannten "Jahrhundert-Prozess" berichtet, was für ein Unsinn im Jahr 2009. Aber das ist wohl der geringste Einwand, der einem zu dieser monströsen Causa Josef F. einfällt. Ganz anderes stößt einem auf: Am Montag dieser Woche hat man den Anklagevortrag gehört, am Dienstag gar nichts, am Mittwoch war die psychiatrische Sachverständige am Wort, nur kurz verlesen wurde ein technisches Gutachten, gestern die Plädoyers und am frühen Nachmittag das Urteil. Immerhin eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Ein erstaunliches Tempo hat das Gericht vorgelegt: Mord, Sklavenhandel, Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, Nötigung und Blutschande, heruntergespult wie in einem Zeitraffer. 24 Jahre Kellerdasein im Handumdrehen erledigt.
Selbstverständlich, und das muss man nicht extra betonen, wird auf das Hauptopfer besondere Rücksicht genommen. Selbstverständlich hat die Öffentlichkeit bei diesen Aussagen in einem Gerichtssaal nichts verloren.
Nur: Es geht in dieser Causa nicht nur um ein schweres Sexualverbrechen. Es geht auch um sehr banale und praktische Fragen, die dem Angeklagten von niemandem gestellt worden sind und die mit der Wahrung der Intimsphäre oder dem Opferschutz rein gar nichts zu tun haben.
Ein Beispiel: Auf welche Weise hat Josef F. eine 300 Kilo schwere Türe ins Verlies geschafft? Wie konnte er diese Türe montieren? Allein? Oder hat ihm jemand geholfen? Es wurde auch nicht näher erläutert, wie ein "Zeitschaltmechanismus" funktioniert haben soll, der den Eingang in den Keller gesichert hat. Festgehalten wurde lediglich, dass die Türe von innen nicht zu öffnen war und die Opfer keine Überlebenschance gehabt hätten, wäre Josef F. nicht regelmäßig in den Keller gekommen.
Noch etwas: Jahrelang lebten vier Menschen in diesem Verlies. Wie wurden die versorgt? Wo hat Josef F. Lebensmittel und den sonstigen Bedarf für seine Schattenfamilie besorgt? Und wie und wo den Müll entsorgt? Niemandem, überhaupt niemandem ist etwas aufgefallen? Nichts gesehen, nichts gehört? Braver, anständiger Bürger, das reicht?
Von den drei "Findelkindern", die vor der Haustüre abgelegt wurden, einmal ganz zu schweigen. Warum sollte das einer Behörde auffallen? All diese Fragen wurden in diesem Gerichtsverfahren völlig ausgeklammert. Als hätten sie mit der Causa Josef F. nichts zu tun. Von einer umfassenden Aufklärung dieses Falles kann wohl keine Rede sein.****
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OTS0276 2009-03-19/19:43
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11.03.2010 / 20:09:47 / Kleine Zeitung
11.03.2010 / 18:10:43 / Parlamentsdirektion
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