"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Weg zu neuen Arbeitsplätzen wird ein steiniger und langer" (von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 3.1.2008

Graz (OTS) - Nein, sagte Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel
in seinem Neujahrsinterview, einen Konjunkturausblick wolle er nicht geben. Ihm scheinen die Parameter zu unsicher zu sein. Und wenn, wolle er am Silvestertag 2009, also in 362 Tagen, sagen, das Jahr sei ein gutes gewesen. Tumpel tappte in keine Falle, er hielt sich jede Option offen - positive Wirkungen von Konjunkturmaßnahmen würden nicht so rasch spürbar sein.

Diese zwei Detailantworten zeigen das Dilemma auf, das auch die Wirtschaftsforscher ins Schwitzen bringt. Niemand weiß heute, wie das Jahr 2009 in drei Wochen, drei Monaten oder einem dreiviertel Jahr verlaufen wird. Auch Wirtschaftsprognosen sind eine Art von Kaffeesudlesen, den Experten fehlen handfeste Daten, auf die sie ihre Vorhersagen gründen könnten. Nur eines wissen alle genau: Im Arbeitsmarkt werden die nächsten Monate eine harte Zeit.

Derzeit fehlen in vielen Firmen Aufträge. Weniger Aufträge bedeuten zwangsläufig weniger Arbeit, weniger Bedarf an Personal. Die Folgen zeigen sich bereits drastisch, die Arbeitslosigkeit hat im November das erste Mal seit drei Jahren wieder zugenommen, im Dezember mit mehr als acht Prozent im Bundesdurchschnitt sogar stark. Die Arbeitslosenquote von fast acht Prozent kann man rechnerisch verständlicher ausdrücken: Jeder zwölfte erwerbsfähige Österreicher sucht einen Job.

Die Regierung versucht mit dem 15 Milliarden Euro schweren Banken-Hilfspaket und mit der Konjunkturmilliarde den Druck vom Arbeitsmarkt zu nehmen. Die Banken können den Unternehmen mehr Kredite zur Verfügung stellen, damit sie leichter investieren, die Wirtschaft ankurbeln können. Die erste Tranche der Konjunkturmilliarde ist freigegeben, sie soll in öffentliche Aufträge für die Firmen fließen.

Optimismus darf durchaus aufkommen, aber auch Skepsis ist angebracht. Bis Aufträge frischen Wind in die Wirtschaft bringen, werden Monate vergehen, viele Vorhaben bedürfen exakter Vorbereitung. Erst wenn die Aufträge in den Unternehmen eingebucht sind, das wird nicht vor dem Sommer sein, können sie bearbeitet werden.

Das kann dann dazu führen, dass neue Mitarbeiter eingestellt werden. Oder auch nicht. Jeder zweite Firmenchef in Österreich meint nämlich mit pessimistischem Ausblick, die Auftragslage werde sich im neuen Jahr überhaupt nicht bessern. Der Arbeitsmarkt ist ein Spiegelbild der Stimmung in den Unternehmen: Die Zahl der offenen Stellen geht rapide zurück.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001