Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Grüne Polarnacht"

Ausgabe vom 3. Jänner 2009

Wien (OTS) - Manche Trends erkennt man erst in zeitlicher Distanz, wenn aus einzelnen Bäumen wieder ein Wald wird. Das trifft auch auf jenen Wald zu, in dem sich die Grünen lange so wohlgefühlt haben (besonders dadurch, dass sie sein Sterben behauptet haben).

Denn um die Grünen steht es weltweit schlecht. Sie können froh sein, wenn sie stagnieren, vielerorts schrumpfen sie sogar wieder. Dabei waren sie in den 80er und 90er Jahren die Modepartei. Damals hat jeder Möchtegern-Künstler, jeder Jung-Journalist gewusst, dass er im Trend liegt, wenn er grüne Phrasen nachplappert. Heute wirken diese überholt und ausgelaugt, sind freilich auch vielfach von anderen Parteien übernommen worden.

Der Nimbus der frisch-unbekümmerten Protestpartei entschwand, als sich ihre Weltuntergangsprognosen als falsch erwiesen (denen zufolge wir heute längst keine Wälder und Rohstoffe mehr haben sollten); als sie da und dort politische Verantwortung tragen mussten; und als ihre Exponenten in die Jahre kamen (auch wenn sich Pilz&Co noch so krampfhaft wie ewige Studenten gewanden).

Waren Österreichs Grüne einst massiv gegen die EU, so tauschten sie diesbezüglich mit der FPÖ die Plätze; was ihnen aber viel mehr schadet als den Blauen. Bei der Zielgruppe der AHS-Lehrer wiederum machten sie sich durch ihre Gesamtschulfixierung verhasst. Sehr schädlich ist weiters der Konflikt zwischen dem grünen Radikalfeminismus (der bei jungen Frauen übrigens kaum noch ankommt) und der grünen Pro-Immigranten-Linie, die sie zu Paten extrem patriarchalischer Wähler macht; was sie ja auch zum Schweigen zwingt, wenn an österreichischen Schulen islamische Lehrer völlig unkritisch die Scharia propagieren dürfen. Widersprüchlich ist das ständige grüne Engagement für den Datenschutz und die hemmungslose Verwendung von nur durch Bruch eben dieses Datenschutzes erlangbaren Informationen (wie jetzt im Fall der unappetitlichen Bücher, die ein FPÖ-Mitarbeitern geordert hat). Das ganze grüne Elend zeigte sich schließlich, als die Partei nichts zugewinnen konnte, obwohl Werner Faymann den grünnahen SPÖ-Flügel weitgehend kaltgestellt hatte.

Ihr größter Schock liegt aber wohl noch in der Zukunft: Wenn einmal die Blase der CO2-Panik platzen wird, dann wird die Schuld wieder bei den Grünen landen. Auch wenn derzeit alle anderen noch heftig mit an dieser Panik schüren . . .

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