"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: Wofür das Jahr 2009 genutzt werden könnte

Das Schöne ist: Es gibt so wahnsinnig viel zu tun. Und genug Zeit dafür.

Wien (OTS) - Alle reden von der Krise. Alle fürchten sich, aber alle meinen, sie sei auch eine Chance. Weiter gedacht, könnte man sogar sagen, je größer die Krise, desto größer die Chance. So weit, dass die Krise eigentlich nur deshalb da ist, um neue Chancen zu eröffnen, ist noch niemand gegangen, aber das wird auch noch kommen. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass Krise und Chance nur zwei Seiten derselben Medaille seien. Ein Aspekt wird sträflich unterschätzt: Die Krise schenkt uns Zeit nachzudenken. Bei Hochkonjunktur wird tagsüber gearbeitet, am Abend gefeiert und dazwischen überlegt, wie Preissteigerungen möglichst unbemerkt am Markt untergebracht werden können. Ein Markt, der nicht expandiert, sondern schrumpft, wird wieder erkennen, dass dem Kunden ungeteilte Aufmerksamkeit zu gelten hat. Was vorher verteilt wurde, muss nun wieder verkauft werden. Qualität und Beratung spielen dabei eine echte Rolle. In Ostösterreich sollen sogar freundliche Handwerker, die pünktlich zu einem vereinbarten Termin kommen, gesichtet worden sein. In Ministerien soll es zu inhaltlichen Gesprächen gekommen sein. Hohe Beamte, Minister und deren Mitarbeiter sollen dabei nicht bloß sinnentleerte Worthülsen von sich gegeben haben, sondern sich ernsthaft mit einem Thema befasst haben. In Ehen und Beziehungen, die vor allem aus Gewohnheit und finanziellen Gründen hielten, soll es echte Gespräche gegeben haben, sogar gemeinsame Freizeit-Aktivitäten wurden besprochen.

Ziele Unternehmer haben sich hingesetzt und erklärt, dass es noch andere Mittel geben muss, die Krise zu bewältigen, als 15 Prozent der Kosten zu senken. Sie haben sogar ihre Mitarbeiter gefragt, ob sie vielleicht Ideen hätten ... - und die hatten welche. Gewerkschaften haben ihre Betriebsräte aufgefordert, so manches in Schulungen verbreitetes Gedankengut nicht weiterzuverwenden, besser zu vergessen. Im Parlament wurde ein Ausschuss gebildet, der sich mit der Auflösung von Gesetzen beschäftigt. Die neun Landeshauptleute haben beschlossen, dass die Landesgrenzen symbolisch hübsch anzusehen, aber inhaltlich nicht das Gelbe vom Ei sind. Die Spitals-und Staatsreform wird vehement umgesetzt. Die Kulturpolitik besteht finanziell nicht mehr nur noch aus den Bundestheatern. Öffentliche Verkehrsmittel werden billiger und ausgebaut, anstatt zugesperrt. Die Geschäfte haben immer offen, es finden sich sogar Menschen, die gerne am Wochenende arbeiten. Österreichs Fußball-Team qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft. Nein, das war zu viel, zugegeben. Mit dem letzten Beispiel ist endgültig klar, der Wunsch ist Vater des Gedankens. Aber es wäre eine Anleitung, wie die Zeit 2009 zu nutzen wäre. Das Jahr ist ja noch jung ...

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