"Familienpolitik muss entideologisiert werden"

Familienverbands-Präsident Steindl betont in "Furche"-Interview, dass die Politik mithelfen kann, "eine positive Stimmung für Kinder zu erzeugen" - Valorisierung der Familienleistungen neuerlich eingefordert

Wien, 2.1.09 (KAP) Für eine "Entideologisierung der familienpolitischen Debatte" plädiert der Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs (KFÖ), Clemens Steindl. "Dies läge im Interesse aller Familien", betonte Steindl in einem "Furche"-Interview. Er selbst sehe es als seinen "Job", nicht nur die auf einer christlichen Ehe basierenden Familien zu vertreten, sondern auch "diejenigen, die für andere Lebenswirklichkeiten offen sind". Zugleich bleibe der KFÖ "natürlich einem Ideal verpflichtet: Die Ehe ist die Leitidee für die Familie", so Steindl. Zugleich hielt der KFÖ-Präsident fest: "Die Politik kann und soll helfen, eine positive Stimmung für Kinder zu erzeugen".

Familienpolitik habe zwei Dimensionen, erinnerte Steindl: Eine gesellschaftspolitische Dimension und steuerliche Maßnahmen, die "Familien natürlich auch brauchen, damit sie ihre Aufgaben wahrnehmen können". Im Hinblick auf diese Maßnahmen sagte der KFÖ-Präsident wörtlich: "Die Weiterentwicklung des Kinderbetreuungsgeldes oder der 'Papamonat' zählen auch zu unseren Forderungen. Was fehlt, ist die jährliche Valorisierung der Familienbeihilfe, des Kinderbetreuungsgeldes oder des Pflegegeldes". Der Katholische Familienverband habe einen Katalog mit "44 konkreten familienpolitischen Forderungen" erstellt. Es sei erfreulich, dass sich 40 Prozent davon "mehr oder weniger detailliert im Regierungsprogramm wiederfinden". Freilich bleibe abzuwarten, was die Regierung tatsächlich umsetzt.

Welche zukünftige Entwicklung die Familie nimmt, sei schwer voraussagbar. Für jemanden im 19. Jahrhundert wäre es undenkbar gewesen, die Situation der "Patchwork"-Familie zu beschreiben. Jüngsten Studien zufolge werde sich die Institution Familie weiter in Richtung bunte Vielfalt des Zusammenlebens verändern - "das erleben wir auch schon bei den eigenen Kindern", sagte Steindl. Entscheidende Kategorie sei für ihn die Qualität der Beziehungen. Es wäre wichtig, bei Familien diese Dimension des vertrauensvollen Miteinanders stärker zu betonen und nicht bloß die formale Institutionalisierung durch Ehe oder rechtliche Vereinbarung, unterstrich der KFÖ-Präsident.

"Konstitutives Element" der Familie sei für den KFÖ das "Zwei-Generationen-Prinzip", die Eltern-Kind-Verbindung, stellte Steindl klar. Wörtlich sagte der KFÖ-Präsident in diesem Zusammenhang: "Wenn ein Paar keine Kinder haben will, steht es mir nicht zu, das zu beurteilen. Ich bin keine moralische Instanz, unsere Aufgabe ist es, Politik für Familien zu machen".

Im Hinblick auf die Offenheit für unterschiedliche Familienformen sagte Steindl, er habe ein "sehr konstruktives, offenes und fundiertes Antrittsgespräch" bei "Familien-Bischof" Klaus Küng geführt. Dabei sei auch dieses Thema angesprochen worden. Steindl:
"Ich hatte das Gefühl, dass es hier ein großes Verständnis für die gesellschaftliche Wirklichkeit gibt".

Positive Beispiele sehen

Kritik übte Steindl daran, dass über Familien oft nur an Hand von Beispielen misslungener Gemeinsamkeit gesprochen wird oder aber Vorgaben für Verhaltensregeln gemacht werden: "Das sind nicht die richtigen Antworten". Jeder kenne in seinem Bekanntenkreis gelungene Familien. "Wir sollten diese positiven Beispiele des Zusammenlebens aufzeigen", appellierte Steindl.

Damit solle nicht verdeckt werden, dass es viele negative Entwicklungen wie Scheidungen, Streit und Gewalt gebe. Ein Dorn im Auge des KFÖ-Präsidenten ist auch, dass "so oft vom 'Mut zu Kindern' geredet" werde: "Ich finde es besser, motivierend von der Freude mit Kindern zu sprechen, von der Freude in, an und mit der Familie". Die ausschließliche Orientierung auf wirtschaftliche Erfolge habe hier eine Engführung verursacht. (ende)
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