Papst für tiefgehende Reformen im Finanz-und Wirtschaftsbereich

Benedikt XVI. betonte beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom die Notwendigkeit eines neuen Modells der "globalen Solidarität"

Vatikanstadt, 1.1.09 (KAP) Im Hinblick auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat Papst Benedikt XVI. am Neujahrstag durchgreifende Reformen gefordert. In der zweiten Jahreshälfte 2008 sei eine großflächige wirtschaftliche Krise sichtbar geworden, die in ihrer Tiefendimension analysiert werden müsse, "als gravierendes Symptom, zu dessen Überwindung bei den Ursachen angesetzt werden muss". "Es genügt nicht, neue Flicken auf ein altes Kleid zu setzen", sagte er beim Angelusgebet auf dem Petersplatz. Erforderlich sei ein neues Modell der "globalen Solidarität", das die Möglichkeiten und Kräfte des Marktes mit denen der Zivilgesellschaft in Einklang bringen müsse. Den Armen gebühre der erste Platz. Zugleich rief der Papst die Politiker und die Bürger auf, sich von den Problemen nicht entmutigen zu lassen, sondern ihr Engagement zu erneuern.

Die globale Wirtschaftskrise nannte Benedikt XVI. in seiner Predigt beim Neujahrsgottesdienst einen Prüfstein für die internationale Gemeinschaft: "Sind wir bereit, die Krise als Herausforderung für die Zukunft zu sehen oder betrachten wir sie als eine Notsituation, der man mit kurzfristigen Maßnahmen beikommen kann?" Der Papst verlangte eine tiefgreifende Revision des vorherrschenden Entwicklungsmodells. Dringlicher als die aktuellen Probleme des Finanzmarktes seien die ökologischen Fragen sowie die kulturelle und moralische Krise, deren Symptome sich seit langem in allen Teilen der Welt abzeichnen.

Im Blick auf die Armut müsse man zwischen der freiwillig gewählten Armut nach dem Vorbild des Heiligen Franziskus und jenem Elend unterscheiden, das Gott nicht wolle und das bekämpft werden müsse, erinnerte der Papst. Denn bei diesem Elend handle es sich um eine Armut, die die Personen und Familien daran hindert, "ein würdiges Leben zu führen", es sei eine Armut, die Gerechtigkeit und Gleichheit beleidige.

Benedikt XVI. zitierte das Wort des Heiligen Paulus im zweiten Brief an die Korinther anlässlich einer Sammlung für die Armen: "Denn es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft, sondern um einen Ausgleich". "Um die ungerechte Armut zu bekämpfen, die zahllose Menschen bedrängt und den Frieden aller bedroht, braucht es die Wiederentdeckung der evangeliumsgemäßen - und zugleich universalen - Werte von Maßhalten und Solidarität", betonte der Papst. Notwendig sei es, die Unterschiede abzubauen "zwischen demjenigen, der den Überfluss vergeudet, und demjenigen, dem sogar das Notwendige fehlt".

Mit Bezug auf seine Botschaft zum katholischen Weltfriedenstag mahnte der Papst die Staatengemeinschaft zum Kampf gegen die Armut. Die Armut verletze die Gerechtigkeit und die Gleichheit aller Menschen. Damit stelle sie auch eine Bedrohung für den Frieden dar. In den reichen Nationen beklagte Benedikt XVI. Formen nichtmaterieller Armut wie Ausgrenzung, Beziehungsarmut sowie moralischen und geistigen Niedergang. "Jesus Christus hat keine Kampagnen gegen die Armut organisiert, sondern den Armen das Evangelium verkündet", sagte der Papst. Das Evangelium ziele auf die "umfassende Erlösung vom moralischen und materiellen Elend".

Konzelebranten des Papstes waren u.a. Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Kardinal Renato R. Martino, und der vatikanische "Außenminister", Erzbischof Dominique Mamberti. (ende)
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