- 14.10.2008, 15:55:36
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Wirtschaftsnobelpreis an Paul Krugman lässt Dogmenwechsel in der Wirtschaftswissenschaft erhoffen
Landesrat Kepplinger begrüßt Ökonomie-Nobelpreis für kritischen US-Wissenschafter
Linz (OTS) - Weitblick und Realitätssinn gepaart mit
ganzheitlichem Denken und kritischer Distanz zum neoliberalen
Mainstream der aktuellen Wirtschaftspolitik zeichnet Krugman seit
Jahren als Ausnahmeerscheinung unter den Wirtschaftswissenschaftern
aus.
Bereits im Jahr 2005 warnte Paul Krugman, dass das starke US-Wachstum
einen Anstieg der Häuserpreise mit sich brachte, der unhaltbar sei:
Dieser Trend würde so wie der Kapitalzustrom aus Asien früher oder
später, womöglich abrupt, enden.
Paul Krugman kritisierte auch schon vor einem Jahr, dass sich die
Wirtschaftspolitik nicht um die sozialen, die arbeitsmarkt- und
güternachfrageseitigen Auswirkungen der Hypothekarmarktkrise kümmere.
Er forderte Umschuldungprogramme speziell für die hart getroffenen
Privathaushalte, wie das aus der Entwicklungszusammenarbeit bekannt
ist, und bewies damit wieder Verantwortungsbewusstsein. Krugman
betonte, dass sich die Wirtschaftspolitik auf Hilfestellung für die
moralischen und ökonomischen Opfer der Spekulation konzentrieren
solle.
Nichtsdestotrotz begrüßt Paul Krugman die Niedrigzinspolitik der
US-Zentralbank und kritisiert die zu hohen Zinsen in der Eurozone:
"Die EZB glaubt offenbar, dass sich bei wenig Nachfrage
Strukturprobleme leichter lösen lassen. Das Gegenteil ist wahr:
Reformen werden einfacher, wenn die Wirtschaft gut läuft, denn sonst
klammern sich die Menschen noch stärker an das, was sie haben. Und
allein das Gerede über Reformen dämpft die Nachfrage noch stärker,
weil jeder Angst hat."
Paul Krugman vertrat auch die Außenseiterposition, mit einer geringen
Staatsquote sei kein Staat zu machen: weder ein Sozialstaat, noch ein
Wirtschaftsleistungsstaat. Eine Position, die bis zuletzt immer
wieder von den Apologeten des "freien Marktes" auf das Schärfste
zurückgewiesen wurde. Jetzt hat der Staat - oder besser gesagt haben
die Steuerzahler - die "Freiheit", den an die Wand gefahrenen
internationalen Finanzsektor durch umfangreiche Garantien und
Rettungspakete am Leben zu erhalten. Um ein Mindestmaß an
Gerechtigkeit zu üben, dürfen derartige Maßnahmen nicht nur den
Tätern zu Gute kommen.
Dazu Landesrat Hermann Kepplinger:
"Paul Krugman hat in seinen Analysen immer wieder bewiesen, dass
ganzheitliches Denken angesagt ist und Denken in zu engen Bahnen den
Blick auf die Realität verstellt. Es ist zu hoffen, dass die leider
unabwendbaren Rettungsmaßnahmen für das internationale Finanzsystem
ihre Wirkung nicht verfehlen. Mindestens genauso wichtig aber ist für
die Zeit danach, dass die internationale Wirtschaftspolitik verstärkt
auf jene Stimmen hört, die statt einfachen Antworten Vorschläge
unterbreiten, wie die Kräfte des Marktes reglementiert und so in
Bahnen gelenkt werden können, damit die wirtschaftliche Existenz
aller Bevölkerungsschichten bestmöglich gesichert ist."
Rückfragehinweis:
SPÖ Oberösterreich
Medienservice
Gerald Höchtler
Tel.: (0732) 772611-22
mailto:[email protected]
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