OTS0173 / 29.07.2008 / 14:28 / Channel: Chronik / Aussender: Medizinische Universität Wien
Stichworte: Bildung / Gesundheit / Medizin / Studie / Telekommunikation


Prof. Hugo Rüdiger zog offensichtlich inkorrekte Mobilfunkstudie zurück

Utl.: Korrespondierender Autor gesteht Fehler ein und retrahiert die heuer erschienene Studie =


   Wien (OTS) - Dr. Hugo Rüdiger, ehemaliger Leiter der klinischen
Abteilung für Arbeitsmedizin und seit 2007 Emeritus, zog nach einem
Hearing vor dem Rat für Wissenschaftsethik (ein vor vier Jahren an
der Medizinischen Universität Wien eingerichtetes Gremium zur
Beurteilung von Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens) zumindest
eine, nämlich die im März dieses Jahres erschienene, von zwei
umstrittenen Publikationen über eine angebliche DNA-schädigende
Wirkung von Mobilfunk-Strahlungen zurück(1). In einer Aussendung der
MUW vom 23.5. d.J. wurde über den Verdacht berichtet, dass die dort
publizierten Daten manipuliert waren. 
   Nach weiteren durch den Rat vorgenommen Recherchen steht nun
dezidiert fest, dass der die Experimente durchführenden Mitarbeiterin
zumindest seit August 2005 der Verblindungscode bekannt war. Da durch
Strahlung induzierte Veränderungen am Zellkern unter dem Mikroskop
festgestellt werden, ist eine Verblindung essentiell, damit keiner
der Untersucher vorher weiß, welche Zellen der Strahlung exponiert
waren und welche nicht. Daraufhin nahm Prof. Hugo Rüdiger als Leiter
der die Studie durchführenden Arbeitsgruppe und korrespondierender
Autor der Publikation von sich aus deren Retraktion vor. 
   Wie bereits berichtet wurde, hat besagte Mitarbeiterin im Rahmen
einer internen Qualitätskontrolle vom April d.J. Testversuche, die
auch in den beiden Publikationen zur Anwendung kamen, in Auftrag
bekommen und Daten geliefert, ohne mikroskopische Untersuchungen und
Auswertungen dazu überhaupt gemacht zu haben. Sie hat nach
Überführung ihr Verhalten sofort eingestanden und ihr
Dienstverhältnis zu MUW unmittelbar danach gekündigt. Bereits davor
hat ein vom Rat für Wissenschaftsethik in Auftrag gegebenes
statistisches Gutachten Zweifel an einer korrekten Erhebung der in
den beiden Arbeiten publizierten Daten geäußert. 
   Der Rektor der MUW hat daraufhin die Herausgeber der beiden
Journale, wo die Arbeiten erschienen sind, informiert, dass den
genannten Publikationen mit großer Wahrscheinlichkeit ein
wissenschaftliches Fehlverhalten zugrunde liegt. 
   Zur mehrfach geäußerten Kritik an der Zusammensetzung des Rats für
Wissenschaftsethik sei noch erwähnt, dass der dem Rat angehörende
Jurist (ein Bundesbeamter, aber bei einem zwischenzeitlich aus der
Bundeshoheit ausgelagerten Mobilfunkunternehmen beschäftigt) den
Anschein einer Befangenheit vermeiden wollte und speziell für diesen
Fall durch ein ehemaliges Mitglied des Verwaltungsgerichtshofes
vertreten wurde. 
   Der Rektor der MUW, Wolfgang Schütz, sieht die Causa nun als
abgeschlossen: "Wir haben wohl rasch und eindeutig reagiert, was wir
dem Ruf unserer Universität, den Forschenden und Lehrenden sowie den
Studierenden schuldig sind. Methoden, die den wissenschaftlichen
Ansprüchen und dem Ethos einer korrekten Wissenschaft nicht
entsprechen, können nicht geduldet werden. Ich bin sehr beruhigt,
dass Herr Prof. Rüdiger zuletzt Einsehen zeigte." 
   (1) E Diem, C Schwarz, F Adlkofer, O Jahn, HW Rüdiger (2005)
Non-thermal DNA breakage by mobile-phone radiation (1800 MHz) in
human fibroblasts and in GFSH R17 rat granulosa cells in vitro.
Mutation Research 583, 178 183. 
C Schwarz, E Kratochvil, A Pilger, N Kuster, F Adlkofer, HW Rüdiger
(2008) Radiofrequency electromagnetic fields (UMTS, 1950 MHz) induce
genotoxic effects in vitro in human fibroblasts but not in
lymphocytes. International Archives of Occupational and Environmental
Health 81, 755 767. 
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Rückfragehinweis:
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   Telefon: 0043 (0)1 40 160 11 502 
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