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Ärztinnen und Ärzte könnten bald zur "Mangelware" werden

Wenn Politik nicht rasch gegensteuert, wird bald zuwenig ärztliche Leistung in Österreich und ganz Europa verfügbar sein

Wien (OTS) - Die derzeit diskutierte so genannte Gesundheitsreform
ist nur ein Mosaikstein einer Entwicklung, die sich für alle Ärztegruppen in ganz Europa abzeichnet und recht bald die Patientinnen und Patienten schmerzlich treffen könnte. "Eine Telefonumfrage des Market-Instituts vom Mai 2008 hat ergeben, dass sich bereits heute nur noch ein Drittel aller TurnusärztInnen vorstellen können, den Beruf eines Kassenarztes auszuüben", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich.

Bereits niedergelassene KassenärztInnen klagen über zunehmend schlechtere Arbeitsbedingungen im Verhältnis zu Ausbildung, Verantwortung und Arbeitseinsatz. Vor allem durch eine immer schwieriger zu bewältigende Bürokratie, die aus zeitlicher Sicht die eigentliche Krankenbehandlung schon übertroffen hat und sich durch die geplante Reform noch weiter vergrößern wird. "Möglicherweise ist auch das ein Grund, warum für frei werdende Kassenstellen die Bewerberzahl von Jahr zu Jahr schrumpft. Heuer konnten schon mehrere Kassenstellen nicht nachbesetzt werden, da offenbar in diesen Fällen die Summe der Faktoren für niemanden so attraktiv war, dass es zu Bewerbungen kam. Selbst wenn nur Teile der Gesundheitsreform kommen, wird die Attraktivität noch weiter sinken", so der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Dr. Johann Jäger.

Es sind auch im Bereich der Angestellten vor allem die Arbeitsbedingungen, die immer mehr betroffenen ÄrztInnen zu schaffen machen. Auch dort können freie Stellen schon lange nicht mehr immer problemlos nachbesetzt werden. Laut dem Kurienobmann der angestellten Ärzte Dr. Ronald Gallob sind es hier vor allem die Arbeitszeiten und deren Bewertung, die zunehmend für Unmut sorgen: "Mit der vor zwei Wochen beschlossenen Novelle zum Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz sollten neue und strengere Regeln gelten, die jedoch durch eine Änderung der EU-Gesetzeslage zahnlos bleiben wird." Dr. Gallob sieht sich hierbei in seiner Ansicht bestätigt, dass die Novelle in Österreich nicht viel Bedeutung bekommen wird.

Er bekräftigt die Stellungnahme der ÖÄK zu diesem Thema vom heutigen Tag und verurteilt den Vorstoß der verantwortlichen Politiker: "Es kann nicht angehen, dass die Bereitschafts-Dienstzeit eines Arbeitsnehmers am Arbeitsplatz als Freizeit gewertet wird. Das wäre wie wenn man Berufsfeuerwehrleute nur dann bezahlen würde, wenn´s wirklich brennt." Die Opt Out-Regelung wird von ihm ebenfalls kritisiert, wonach der Arbeitgeber von keinem Arbeitnehmer verlangen darf, dass er im Durchschnitt mehr als 48 Stunden innerhalb eines Siebentagezeitraumes arbeitet, es sei denn, der Arbeitnehmer hat sich hierzu bereit erklärt. "Damit kann man Arbeitnehmer vor allem in befristeten Arbeitsverhältnissen leicht unter Druck setzen", so Dr. Gallob. "Gerade die höchst qualifizierte und verantwortungsvolle Tätigkeit der ÄrztInnen hat so einen Ansatz nicht verdient."

Die Tendenz, die ärztliche Tätigkeit zunehmend unattraktiv zu machen, zeigt sich laut Präsident Dr. Reisner nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa. Im Jahr 2007 sind nach Auskunft der ÖÄK alleine in Österreich bereits mehrere hundert ÄrztInnen ausgewandert, diese Zahl könnte rasch noch weiter ansteigen. "Und nachdem sich sowohl im angestellten als auch im niedergelassenen Bereich die Arbeitsbedingungen im Gleichschritt verschlechtern, ist es logisch, dass sich Ärztinnen und Ärzte überhaupt andere Aufgabenbereiche suchen. Hoch qualifizierte MedizinerInnen sind in vielen Branchen der Privatwirtschaft sehr gefragt." Als logische Folge wird sich aus seiner Sicht ein von den Politikern hausgemachter ÄrztInnenmangel entwickeln, der den Zugang der Patientinnen und Patienten zu Medizin im öffentlichen System dramatisch erschweren wird. "Offenbar erhofft man sich dadurch ein saniertes Gesundheitsbudget. Größere Probleme werden in zunehmendem Maße jedoch die Alten, Kranken und sozial Schwachen haben. Eben jene, für die ein soziales, öffentliches Gesundheitssystem besonders wichtig ist", so Präsident Dr. Reisner abschließend.

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