OTS0171 / 23.05.2008 / 13:40 / Channel: Politik / Aussender: Medizinische Universität Wien
Stichworte: Bildung / Gesundheit / Medizin / Studie / Universitäten / Wissenschaft


MedUni Wien: Verdacht auf fehlerhafte Studie der ehemaligen Abteilung für Arbeitsmedizin =


   Wien (OTS) - Rektor der Medizinischen Universität Wien fordert
Autoren seiner Universität zur Rücknahme auf - Herausgeber der
Publikation wird jedenfalls über den Verdacht auf wissenschaftliches
Fehlverhalten  informiert.
   Rasch und eindeutig hat der Rektor der Medizinischen Universität
Wien, Wolfgang Schütz, reagiert, als gravierende Verdachtsmomente  an
der wissenschaftlichen  Korrektheit einer Studie der ehemaligen
Abteilung für Arbeitsmedizin auftauchten. Die Causa verhält sich
folgendermaßen: 
   An der ehemaligen Klinischen Abteilung für Arbeitsmedizin der
Medizinischen Universität Wien wurden - auch unter Beteiligung
externer WissenschafterInnen - im Jahr 2005 und 2008 zwei Arbeiten
publiziert, in denen an bestimmten Zelltypen eine DNA-schädigende
Wirkung von Mobilfunk-Strahlung beschrieben wird. DNA-Schäden wurden
sowohl mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von 1.800 MHz
(GSM-Signale, Diem et al. 2005 1) als auch von 1.950 MHz
(UMTS-Signale, Schwarz et al. 2008 2) gemessen. Die Statistik der
Daten wurde von anderen Forschergruppen in ebenfalls publizierten
"Letters to the Editor" angezweifelt 3) 4). Eine vom Rektor der
Medizinischen Universität daraufhin - und auch im Zuge einer
Reorganisation des Bereichs Arbeitsmedizin - angeregte unabhängige
statistische Begutachtung der Daten legt nun tatsächlich den Verdacht
nahe, dass diese nicht experimentell gemessen, sondern vielmehr
fabriziert wurden. Der Verdacht wird durch die Tatsache wesentlich
erhärtet, dass - im Rahmen einer Überprüfung der methodischen
Vorgehensweise einer in beiden Arbeiten aufscheinenden Autorin -
diese überführt werden konnte, dass ihre gesamte Vorgehensweise auf
die Erzeugung vorgefasster Resultate angelegt war. Die Mitarbeiterin
hat ihr Verhalten sofort eingestanden und ihr Arbeitsverhältnis zur
MUW unmittelbar darauf gekündigt. 
   Da sich bis jetzt nicht alle AutorInnen seiner Universität zur
Rücknahme beider Arbeiten bereit erklärt hatten, wird vom Rektor der
MUW als erste Maßnahme ein Schreiben an die Herausgeber der beiden
Journale, wo die Arbeiten erschienen sind, mit dem Hinweis verfasst
werden, dass den genannten Publikationen mit sehr großer
Wahrscheinlichkeit ein schweres wissenschaftliches Fehl¬verhalten
zugrunde liegt. 
   Der korrespondierende Autor der beiden Publikationen, Univ. Prof.
Dr. Hugo Rüdiger, ging mit Oktober 2007 als Emeritus in Pension, die
vom ihm geleitete Klinische Abteilung für Arbeitsmedizin ist bereits
mit Beginn des Jahres 2007 geschlossen worden. Der fachliche Bereich
selbst unterliegt derzeit einer intensiven Reorganisation, u.a. auch
um hier die Einhaltung wissenschaftsethischer Kriterien langfristig
sicherzustellen. 
   Rektor Wolfgang Schütz verweist darauf, dass es in der
"forscherischen Praxis bedauerlicherweise immer wieder zu
Malversationen kommt. Deshalb muss man rasch und entschieden handeln.
Das ist die MUW dem Ruf der Universität, den Forschenden und
Lehrenden, den Studierenden und nicht zuletzt auch der Öffentlichkeit
schuldig." Rektor Schütz ist zuversichtlich, dass "die Autoren
letztlich einsichtig reagieren, da es auch um ihre wissenschaftliche
Reputation geht." 
 1) E Diem, C Schwarz, F Adlkofer, O Jahn H Rüdiger (2005)
Non-thermal DNA-breakage by mobile-phone radiation (1800 MHz) in
human fibroblasts and in transformed GFSH R17 rat granulosa cells in
vitro. Mutation Res 583, 178 183
 2) C Schwarz, E Kratochvil, A Pilger, N Kuster, F Adlkofer, HW
Rüdiger (2008) Radiofrequency electromagnetic fields (UMTS, 1950 MHz)
induce genotoxic effects in vitro in human fibroblasts but not in
lymphocytes. Int Arch Occup Environ Health, DOI 10.1007/
s00420-008-0305 5
 3) Vijayalamaxi, JP McNamee, MR Scarfi (2006) Comments on "DNA
strand breaks" by Diem et al. [Mutation Res 583 (2005), 178 183] and
Ivancsits et al. [Mutation Res 583, 184 188], Mu¬tation Res 603, 104
106
  4) A Lerchl (2008) Comments on Radio¬frequency electromagnetic
fields (UMTS, 1950 MHz) induce genotoxic effects in vitro in human
fibroblasts but not in lymphocytes. Int Arch Occup Environ Health,
DOI 10.1007/ s00420-008-0305 5, Int Arch Occup Environ Health, in
press
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