Unikliniken: Immer mehr Aufgaben - immer weniger Ärzt/innen Medizin-Uni-Wissenschaftler schlagen Alarm =


   Wien (OTS) - Arbeitszeiten jenseits von Gut und Böse. Ärztinnen
und Ärzte operieren um 1350,- Euro im Monat am offenen Herzen. Und
die Sozialpartner "einigen" sich auf noch mehr Arbeit für die
chronisch überlasteten Spitalsambulanzen. Der Nachwuchs setzt sich
ins Ausland ab, wo es bessere Einkommen, Karriereperspektiven und
geregelte Arbeitszeiten gibt.
Aufschrei der Ärztebetriebsräte
   Auf einer Tagung der Ärztebetriebsräte der Medizinuniversitäten in
Bad Aussee wurde nicht mit Kritik gespart:
   Prof. Martin Tiefenthaler, Med Uni Innsbruck: "Wir brauchen den
seit 4 Jahren versprochenen Kollektivvertrag. Ohne diesen
Kollektivvertrag verlieren die Med Unis pro Jahr über Hundert höchst
qualifizierte und bestausgebildete Wissenschafter/innen und
ÄrztInnen. Ohne diese Wissenschafter/innen wird es aufgrund der zu
erwarteten Pensionierungen die gewohnte Spitzenmedizin an den Med
Unis in 10 Jahren wohl nicht mehr geben!"
   Prof. Gerhard Schuhmann, Med Uni Graz: "70-80 Stunden Arbeit pro
Woche sind bei uns die Regel und der Vorstand des Krankenhausträgers
behauptet, dass Arbeitszeitgesetze für die Unispitäler die Ausbildung
behindern. Lokführer müssen nach 8 Stunden vom Führerstand,  aber
Ärzte operieren ungehindert auch nach 20 Stunden Dienst. Die Politik
muss dieser Ausbeutung und Selbstausbeutung ein Ende setzen. Auch
Ärzt/innen haben ein Recht auf Freizeit und Privatleben!"
   Prof. Thomas Szekeres, Med Uni Wien: "Unglaublich aber wahr: 14%
aller angestellten Ärzte/innen arbeiten mehr als 100 Stunden in der
Woche, 50% arbeiten mehr als 72 Stunden pro Woche. Am AKH Wien fehlen
150 Ärztestellen, bestätigt sogar das Rektorat. Wer in Wissenschaft
und Forschung weiterkommen will muss das in der Freizeit tun. So
können Österreichs Unis nie Weltspitze werden! Wir fordern eine Ende
der Querfinanzierung der Krankenanstalten durch den übermäßigen
Einsatz der Uniärzt/innen in der Patientenversorgung."
Politik muss Ära des Durchwurstelns beenden
   Jahrelang wurde die Universitätspolitik vom Sparzwang beherrscht, 
aber jetzt sind die Reserven aufgebraucht. Wenn die Politik
Spitzenmedizin will (wie 80% der Bevölkerung das wollen) dann muss
die Politik das dafür nötige Geld bereitstellen. Die Ära der
Selbstausbeutung der Ärzte ist endgültig beendet. Unibetriebsräte
beraten sich mit dem in Deutschland erfolgreichen Marburger Bund.
Rückfragehinweis:
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   Die Vorsitzenden der Betriebsräte:
   Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres, Medizinische Universität Wien,
   Tel.:  0664 2243929
   Univ. Prof. Dr. Martin Tiefenthaler, Medizinische Universität 
   Innsbruck, Tel.: 0669 12369897
   Univ. Prof. Dr. Gerhard Schuhmann, Medizinische Universität Graz 
   Tel.: 0664 5010634
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