- 12.05.2008, 21:27:11
- /
- OTS0093 OTW0093
"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "China kommt nicht zur Ruhe" (Von Frank STAUD)
Ausgabe vom 12. Mai 2008
Innsbruck (OTS) - Die Olympischen Sommerspiele sollten China
weltweit in neuem Glanz präsentieren. Die Volksrepublik plante einen
Imagewechsel.
Das ist bisher gründlich danebengegangen. Seit Wochen beherrscht
das Thema Tibet die internationalen Schlagzeilen. China musste den
Weg der olympischen Fackel an vielen Orten der Welt mittels
Polizeigewalt den Weg bahnen. Von friedlichen Spielen im Vorfeld
keine Spur. Die Demokratiedefizite Chinas wurden nur allzu deutlich.
Als sich Entspannung in Form von konkreten Gesprächen abzuzeichnen
schien, wurde das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, in
chinesischen Medien als Terrorist bezeichnet. Wieder ging ein
Aufschrei durch die Weltöffentlichkeit.
Jetzt wird China auch noch von einem verheerenden Erdbeben
getroffen. Das Ausmaß der Katastrophe ist gar nicht abzusehen. Die
heftigen Erdstöße waren sogar in der 1.800 Kilometer entfernten
thailändischen Hauptstadt Bangkok noch zu spüren.
Wie in Burma steigen die Opferzahlen mit Sicherheit noch weit über
10.000. Erinnerungen an das Erdbeben von 1976 nahe Peking werden
wach. Damals kamen über 240.000 Menschen ums Leben.
Solche Naturkatastrophen sind in der langen chinesischen
Geschichte häufig als Zeichen gedeutet worden, dass der Himmel den
Herrschenden vielleicht das Mandat zur Machtausübung entziehen will.
Somit muss die Führung Chinas drei Monate vor Olympia nicht nur um
das Bild im Westen bangen. Die eigenen Bürger werden die politischen
Würdenträger vielleicht noch skeptischer beäugen.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung,
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






