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OTS0182   9. Apr. 2008, 12:54

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Verleger weiter uneins



Hamburg (ots) -

- Querverweis: Bildmaterial wird über obs versandt und ist
abrufbar unter http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=obs -

Jetzt liegt es in der Hand der Politik zu entscheiden, auf welcher
Basis öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Verlage zukünftig im
Internet zusammenarbeiten dürfen. So lautete eine zentrale Forderung
beim media coffee "Im Sog des Internets - Was bleibt übrig von Print,
TV und Radio?" am Dienstagabend in Hamburg. Mehr als 400
Pressesprecher, PR-Fachleute und Journalisten besuchten die
Auftaktveranstaltung der diesjährigen Diskussionsreihe der
dpa-Tochter news aktuell. Meinolf Ellers, Geschäftsführer der
dpa-infocom, moderierte die Veranstaltung.

Menso Heyl, Chefredakteur beim Hamburger Abendblatt, unterstrich,
dass seine Redaktion im Onlinebereich bereits mit dem Medium
Fernsehen zusammenarbeitet: "Wir kooperieren bei den Bewegtbildern
momentan mit Hamburg 1, einem kleinen privaten Player." Heyl würde es
jedoch begrüßen, wenn in Zukunft auch eine Zusammenarbeit mit dem NDR
möglich wäre. "Ich wünschte, wir könnten mit dem
öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr zusammen machen, ohne aber dabei
unseren jetzigen Partner zu verdrängen. Allerdings geht das ja aus
den verschiedenen Gründen noch nicht."

Fried von Bismarck, Verlagsleiter SPIEGEL, äußerte sich kritisch
über die Pläne der Rundfunkanstalten, ihr Internet-Angebot
auszubauen. "Ich halte es für ein Unding, dass die durch Gebühren
finanzierten Rundfunkanbieter sagen, sie dürften im Netz alles
machen, was zum Beispiel auch die Verlage tun." Es sei allerdings die
Aufgabe der Politik, und nicht die der Sender, eine Antwort auf diese
Fragestellung zu finden. Die allgemeine Entwicklung hin zu Online
habe starke wirtschaftliche Auswirkungen: "Auch beim Spiegel wird man
sich auf sinkende Auflagen und Anzeigenerlöse einstellen müssen."
Derzeit seien die durch Print generierten Umsätze aber weiterhin
ausschlaggebend. "An den Umsätzen bei Online müssen wir noch lange
stricken, um die Erlöse zu erreichen, die wir im Printgeschäft
erzielen", so von Bismarck weiter.

Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit aller Kraft ins
Internet strebt, daran ließ Joachim Knuth, Programmdirektor Hörfunk
beim NDR, keinen Zweifel : "Wir wollen mit unseren Qualitätsinhalten
wie Filme und Audios ins Web. Diese müssen wir aber mit Wort und Bild
verknüpfen." In diesem Zusammenhang unterstrich er, dass das Internet
eine völlig neue Form der Medienrezeption hervorruft. Außerdem
verwies Knuth darauf, dass die traditionellen Medien weiter
existieren und die Medienmarken auch in Zukunft eine wichtige Rolle
spielen werden: "Die Marke ist von eminenter Wichtigkeit - sie steht
für Wiedererkennung und ruft ein bestimmtes Mediennutzungsverhalten
hervor", so Knuth.

Wolfgang Blau, Chefredakteur bei ZEIT online, unterstrich, dass es
auch zukünftig einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der
deutschen Medienlandschaft geben muss. "Ich war lange im Ausland und
bin dort zu einem Befürworter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
geworden, wie wir ihn in Deutschland haben." In diesem Kontext wies
Blau darauf hin, dass die wirklichen Konkurrenten für die Verlage
letztendlich nicht die öffentlich-rechtlichen Sender seien, sondern
vielmehr Blogs oder reichweitenstarke Plattformen wie youtube. Eine
pessimistische Zukunftsprognose gab er für die deutschen
Tageszeitungen ab: "Im internationalen Vergleich gibt es hierzulande
zu viele Tageszeitungen. Vieler dieser Zeitungen werden in Zukunft
wahrscheinlich nur noch im wöchentlichen Rhythmus erscheinen."

Dass ganze Generationen bereits heute nicht mehr über das
Printmedium erreicht werden könnten, betonte Steffen Klusmann,
Chefredakteur bei der Financial Times Deutschland. Gleichzeitig ging
er auf die Rolle des Qualitätsjournalismus im Web-Zeitalter ein: "Mir
ist wichtig, dass wir auch in Zukunft einen qualitativ hochwertigen
Journalismus bieten können. Ob dieser nun in Print oder im Internet
stattfindet, ist letztendlich egal." Klusmann warnte allerdings vor
amerikanischen Verhältnissen, wo bereits große Teile der etablierten
Wirtschaftspresse verschenkt werden müssen, weil niemand mehr bereit
sei, dafür zu bezahlen.

Videobeitrag über die media coffee-Veranstaltung in Hamburg:
http://www.youtube.com/watch?v=ujrJpHprrKM

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0182 2008-04-09 12:54 091254 Apr 08 EUN0009 0591



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