"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Abschied vom Kindergeburtstag" (Von FLORIAN MADL)

Blutgrätschen erfolgen mitunter verbal. So erlebt im Skispringen, wo Verunsicherung des Gegners als probates Mittel erachtet wird. Ausgabe vom 4. Jänner 200

Innsbruck (OTS) - Doping, errechneten Experten, eröffnet Sportlern die letzten fünf Prozent ihrer Leistungsfähigkeit. Was aber, wenn der eigene Plafond erreicht scheint, nicht aber der des Gegners? Der Höhenflug österreichischer Skispringer veranlasste den finnischen Cheftrainer, Mutmaßungen über regelwidrige Sprunganzüge anzustellen. Nichts Ungewöhnliches, wurde doch von dieser Ecke Europas bereits über Magersucht im rot-weiß-roten Lager spekuliert. Nichts Ungewöhnliches in Zeiten einer Vierschanzentournee, weshalb Österreichs Cheftrainer Alex Pointner seine Schützlinge bereits im Vorfeld auf allerhand vorbereitete: Kein Kindergeburtstag sei er schließlich, der Spitzensport, nichts für schwache Nerven.

So mancher Trainernerv lag auch gestern blank, als von der Jury ein Abbruch des Bergisel-Trainings eingefordert wurde. Ein bewusst lanciertes Störfeuer? Sportpolitik? Oder am Ende doch das begrüßenswerte Verlangen nach Athletensicherheit als oberste Prämisse? Daran durfte man unlängst im alpinen Lager Zweifel hegen:
Als Alexandra Meissnitzer in einem Neuschnee-Rennen zu Sturz kam und sich der amerikanische Veranstalter erst spät zum Abbruch durchrang, unkten manche: Man hätte einzig den Sieg von Lokalmatadorin Lindsey Vonn ins Trockene bringen wollen.

Der Zweck heiligt die Mittel. Und Selektion erfolgt nicht nur auf dem Schanzentisch, sondern auch in den Funktionärsbüros. Wer den Spitzensport auf seine eigentlichen Inhalte reduziert, wird ihn niemals verstehen.

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