WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Zwischen Immo-Krise und Terror-Kampf -von Wolfgang Unterhuber

Die Wirtschaftskrise nützt den Demokraten, der Terror den Republikanern

Wien (OTS) - In Wicker Park in Chicago ist die Welt noch in
Ordnung. Wer dort vor zehn Jahren ein Haus gekauft hat, kann es noch immer um den dreifachen Preis verkaufen. Wären die USA wie Wicker Park, wären die Präsidentenwahlen gelaufen. Nämlich für die Republikaner. Aber für die "Grand old party" läuft es nicht so gut. Im dramatischen Vorwahlkampf rücken derzeit Sachthemen, vor allem wirtschaftspolitische, stark in den Vordergrund. Das ist gut für die Demokraten. Die Mehrheit der Amerikaner glaubt nämlich, dass die demokratischen Präsidentschaftskandidaten die wirtschaftlichen Probleme eher in den Griff bekommen als ihre republikanischen Gegner. Das geht aus aktuellen Umfragen von Gallup und "Washington Post" hervor.

Das Ganze erinnert ein wenig an 1992. Da unterlag der amtierende Präsident, der Republikaner George Bush senior, bei den Wahlen einem gewissen Bill Clinton. Dabei sah Bush aus wie der sichere Sieger. Hatte er doch nur kurz zuvor Saddam Hussein im ersten Irak-Krieg besiegt. Doch die schlechte Konjunktur war es, die die Amerikaner zu den Demokraten überlaufen liess. Als Clinton das Amt an George Bush junior übergab, waren die USA weltpolitisch und ökonomisch in einer, wie die Amerikaner gerne sagen, "smart position". Bush junior hat das binnen acht Jahren alles vergeigt. Erst kürzlich überschritt die Staatsverschuldung die magische Grenze von neun Billionen Dollar. Allein die Kriege im Irak und Afghanistan verschlangen 1,6 Billionen.

Wer immer die Wahlen im November gewinnt, wird politisch und ökonomisch jede Menge Reparaturarbeiten vornehmen müssen. Stehen im Wahlkampf weiterhin Themen wie Gesundheitsreform, Steuer- und Wirtschaftspolitik im Vordergrund, haben die Demokraten relativ gute Chancen. Relativ deshalb, da die Republikaner grundsätzlich im Vorteil sind. Denn seit Ronald Reagan ist der ehemals traditionell demokratische Süden tendenziell stark republikanisch. Und für gestandene religiöse Fundis, Neo-Konservative, Anti-Liberale und Turbokapitalisten ist die Wahl eines demokratischen Kandidaten schlichtweg tabu; Wirtschaftskrise hin, Irak-Desaster her. In Summe ergibt sich also eine zynische Conclusio: Wenn die Wirtschaftskrise voll einschlägt, dann hilft das den Demokraten. Kommt es zu einem Terroranschlag, schlägt das Pendel - so makaber das ist - wieder voll Richtung Republikaner aus.

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