"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, manches ist dabei Kosmetik" (von Hellfried Semler)

Ausgabe 03.01.2008

Graz (OTS) - In der EU hat sich Österreich einmal mehr als Musterschüler hervor getan - bei den Dezember-Zahlen zu den Arbeitslosen wurde unter den 27 EU-Ländern der viertniedrigste Wert ermittelt. Lässt man das Jahr 2007 Revue passieren, zeigt sich im Arbeitsmarkt ein klarer Trend: die Arbeitslosenzahlen sanken kontinuierlich. Nach den vorliegenden Statistiken wird der Rückgang im Jahresschnitt bei knapp sechs Prozent liegen, in Zahlen ergibt das ein Minus von rund 20.000 bis 25.000 Personen.

Erfreuliche Daten, aber schaut es auf dem Arbeitsmarkt so gut aus? Diese Frage kann nicht uneingeschränkt mit Ja beantwortet werden, vieles in der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird durch Kosmetik überdeckt.

So etwa steigt die Zahl der Teilzeit-Beschäftigten von Jahr zu Jahr. Gemessen an den Köpfen frischen sie die Statistik auf. Eine Teilzeitkraft vermag aber keinen Vollzeitbeschäftigten zu ersetzen, von denen in den letzten fünf Jahren tausende ihren Job verloren haben. Immer häufiger schließen zudem Unternehmen Arbeitsvereinbarungen mit freien Dienstnehmern ab, eine weitere Form der Entlastung des Arbeitsmarktes. Schließlich sind auch in den letzten Jahren zahlreiche neue und vor allem winzige Firmen entstanden.

Für Fachleute ist der Trend keine Überraschung. Das AMS (Arbeitsmarktservice) unterstützt die Firmengründung, in der Wirtschaftskammer wird der Zug zur Selbstständigkeit bestätigt. In der Steiermark ist bereits jedes zweite der rund 53.000 Mitgliedsunternehmen der Wirtschaftskammer ein Epu (Minifirma/Ein-Personen-Unternehmen).

Die Schwierigkeiten bei der Arbeitsuche sind für viele der Anstoß, sich als Unternehmer zu versuchen. Zumal es seit Jahresanfang ein Sicherheitsnetz gibt, auch Unternehmer können sich zur Arbeitslosenversicherung anmelden. Außerdem steigt die Zahl der Bezieher von Vorschusspensionen, diese Personen fallen aus der Arbeitslosenstatistik heraus.

Die Regierung klopft sich bei den Arbeitslosenzahlen selbst auf die Schulter und spricht von einem bereits vollzogenen Kurswechsel. In zwei Jahren sollte die Vollbeschäftigung erreicht werden, von der Österreich noch meilenweit entfernt ist.

Das hoch gesteckte Ziel ist aber nur zu erreichen, wenn die Wirtschaft deutlich stärker wächst, als die Experten für die nächsten Jahre vorher sagen. Die nötigen Voraussetzungen konnten die Politiker seit der "Wenderegierung" 2000 nicht schaffen. Durch ihr Zögern werfen sie Stolpersteine auf den Arbeitsmarkt. ****

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