Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Weihnachts-Splitter

Wien (OTS) - Zeitungsleute wissen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Schreibfehlern um sich werfen. Dennoch verdient ORF-Online wohl den Orden für den köstlichsten Fehler seit langem: "LiD:
Flackschiff der Menschlichkeit." "LiD" steht für "Licht ins Dunkel", den seit Jahrzehnten die ORF-Weihnachten prägenden flächendeckenden Flak-Beschuss mit Spendeaufrufen. Hat da der gute alte Freud durchgeschlagen oder nur eine lernfreie Kuschelschule?

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Die Feiertage brachten erfreuliche Nachrichten: Erstmals hat eine prominente Gruppe von 138 hochrangigen muslimischen Gelehrten den Christen fröhliche und friedliche Weihnachten gewünscht. Und zwar im Zeichen des gemeinsamen Kampfes, "um jedes menschliche Leben und besonders das Leben jedes Kindes zu bewahren und hochzuschätzen". Eine schöne Formulierung, wenn man bedenkt, wie viele Kinder (und Erwachsene) ihr Leben bei sinnlosen Anschlägen von Muslimen verloren haben. Gut zu hören, dass es auch die anderen Muslime gibt, die das gar nicht so gut finden. Und die nicht mehr nur betreten schweigen.

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Das neue Jahr bringt auch weniger Erfreuliches: Während in den letzten Jahren so viel von Bürokratieabbau die Rede war, werden 2008 alle Österreicher, die so blöd sind, einem anderen Arbeit zu geben, mit einer Flut von Vorschriften eingedeckt, wie künftig die Arbeitszeiten mit Großer-Bruder-artiger Detektivarbeit zu kontrollieren und festzuhalten ist. Und das in Zeiten, wo weltweit immer mehr Menschen das Denken der an Sekunden orientierten Fließbandarbeit überwunden haben. Aber bei uns regieren ja wieder die Sozialpartner. Und lassen die anderen ruhig von Deregulierung reden.

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In mindestens einem amerikanischen Sender kann man jede Woche "Sound of Music" sehen, den kitschig-schönen Film über Österreicher, die keine Nazis gewesen sind. Wohl deshalb wird er bei uns so gut wie nie gezeigt. Oder gibt es überhaupt eine Geheimregel, dass Erfolgsfilme im eigenen Land nie Erfolg haben dürfen? Ein anderes Beispiel für eine solche Regel wäre das hierzulande verehrte Exempel skurrilen Britenhumors "Dinner for One", das kein Engländer kennt.

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