- 06.11.2007, 13:25:47
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"Wird Baukultur enderledigt?"
150.000 Euro Steuergeld drohen mit dem Baukulturreport ohne konkrete Umsetzung in die Schublade zu wandern.
Wien (OTS) - Bereits seit Oktober 2006 liegt der Erste
Österreichische Baukulturreport (BKR) als 500 Seiten starke Expertise
vor. Er legt erstmals in kompakter Form dar, welche Bedeutung die
Querschnittsmaterie Baukultur in wirtschaftlicher, ökologischer und
sozialer Hinsicht für die Österreichische Bevölkerung hat. Ein
Großteil der Lebenskosten der Bevölkerung ist Baukulturabhängig, ob
es sich um Mieten, Betriebskosten, oder die Schaffung von Wohnraum
handelt. Rund 70% des gesamten österreichischen Anlagevermögens
entfallen auf Bauten, die meisten ÖsterreicherInnen verbringen rund
90% ihrer Zeit in Gebäuden und praktisch das ganze Leben in
gestalteter Umwelt.
Dennoch ist in Österreich im Gegensatz zu einigen anderen
europäischen Staaten eine ressortübergreifende Architekturpolitik
weder in den politischen Programmen, noch in den Entscheidungs- und
Verwaltungsstrukturen verankert. Und auch bei der Bundesregierung
scheint sich für Baukultur niemand zuständig zu fühlen.
Der Baukulturreport legt eine Vielzahl an Empfehlungen seitens
namhafter Experten vor. Für deren konkrete Umsetzung sowie für die
ressortübergreifende Koordination fehlt es derzeit aber an
kompetenten Einrichtungen und am entsprechenden Budget. Ein Verlust
an Lebensqualität und drastische Kostensteigerungen für die
Öffentliche Hand aufgrund der explodierenden Kosten beispielsweise
durch die anhaltende Zersiedlung (ca. 22 Hektar pro Tag werden in
Österreich in Anspruch genommen), sowie für Ausbau und Erhaltung der
Infrastruktur sind die Folge.
Trotz der unmittelbaren Auswirkungen auf die Bevölkerung fand der
Baukulturreport keine nennenswerte Berücksichtigung im
Regierungsprogramm. Es dauerte acht weitere Monate bis der
Baukulturreport im Juli 2007 und nur nach massivem Drängen der
AutorInnen durch Bundesministerin Schmied veröffentlicht wurde. Der
Ko-Auftraggeber, das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft,
entsendete weder eine/n VertreterIn zur Pressekonferenz, noch wurden
Mittel für den Druck und die Veröffentlichung des Baukulturreportes
zur Verfügung gestellt.
Weitere vier Monate vergingen, ohne dass konkrete
Umsetzungsmaßnahmen seitens der Regierung folgten. Auch auf eine der
wesentlichen Forderung des Baukulturreports, die Einrichtung einer
ressortübergreifenden Koordinationsstelle für Baukultur konnte man
sich, nach ersten positiven Signalen, schließlich doch nicht einigen.
Vom Bundeskanzler stehe eine diesbezügliche Entscheidung aus. Bis
dato, also über ein Jahr nach Fertigstellung des Baukulturreportes,
konnten die Mittel um die Ergebnisse des BKR der Bevölkerung sowie
den politischen EntscheidungsträgerInnen in Bund, Ländern und
Kommunen näher zu bringen noch immer nicht zugesagt werden.
Im Parlament wurde der Baukulturreport heute lediglich im
Kulturausschuss behandelt. Weder für die notwendige Behandlung der
Querschnittsmaterie Baukultur in weiteren Ausschüssen des Parlaments
noch für eine eingehende Diskussion mit Regierungsmitgliedern
anderer, wesentlicher Ressorts wie etwa Umwelt, Wirtschaft oder
Verkehr sei nun ausreichend Zeit. Bereits diesen Donnerstag, also
zwei Tage nach der ersten Vorstellung im Parlament, wird der
Baukulturreport in der Plenarsitzung vom 08.11.2007 enderledigt.
"Es ist zu befürchten, dass - sollte es bei der Plenarsitzung am
Donnerstag zu keinen konkreten weiterführenden Beschlüssen kommen -
die im Baukulturreport empfohlenen Umsetzungsmaßnahmen auf der
Strecke bleiben und somit die Baukultur in Österreich gleich mit
"enderledigt" wird", so die SprecherInnen der Plattform
Architekturpolitik und Baukultur. So kurzfristig könne man im
Nationalrat mehrheitsfähige Entschließungsanträge mit entsprechend
nachhaltigen Umsetzungsmaßnahmen wohl kaum einstimmige aus
verhandeln.
Die Plattform für Architekturpolitik und Baukultur fordert die
zuständigen PolitikerInnen deshalb auf, die wesentlichen drei
Forderungen als Entschließungsanträge zu verabschieden:
1. Die Bundesregierung möge das Thema Baukultur in allen Ressorts
seiner im Baukulturreport gezeigten Bedeutung entsprechend
Rechnung tragen. Insbesondere betrifft das die Bereiche
Wirtschaft, Bildung/Kultur, Umwelt und Verkehr, für die
ressortübergreifend geeignete Ziele und Maßnahmen auf der
Grundlage des Baukulturreport zu entwickeln und umzusetzen
sind. Eine Koordinationsstelle für Baukultur ist im
Bundeskanzleramt umgehend einzurichten. Deshalb fordere die
Plattform Architekturpolitik die Einrichtung einer
interministeriellen Koordinationsstelle für Architekturpolitik,
sowie eines unabhängigen Beirates für Baukultur als
Beratungsgremium der Regierung.
2. Beauftragung einer Kompaktversion (Kurzfassung für
BürgermeisterInnen und Bevölkerung) sowie der österreichweiten
Verbreitung des Baukulturreports.
3. Anfang 2008 müsse die Beauftragung des Zweiten Österreichischen
Baukulturreports 2010 erfolgen.Rückfragehinweis:
DI Volker Dienst Sprecher der Plattform Architekturpolitik und Baukultur c/o Krugerstraße 17/2, 1010 Wien mailto:[email protected] M: 0676 33 79 224 T: 01 513 08 95
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