• 02.07.2007, 17:27:34
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.7.2007: Nichts gegen 1000 Euro Mindestlohn - von Herbert Geyer

In der Praxis wird es aber einige Probleme geben

Wien (OTS) - Im Prinzip kann ja eigentlich niemand etwas dagegen
haben: Dass ein Vollzeit-Job ausreichen muss, um einen Menschen zu
ernähren, ist wohl ein Ziel, auf das man sich einigen kann. Und beim
aktuellen Preisniveau in Österreich sind dafür 1000 Euro im Monat
wohl nicht zu hoch gegriffen.

In Summe sollte die Einführung eines 1000-Euro-Mindestlohns auch
wirtschaftlich kein Problem sein: Nach Ansicht der Experten liegen
derzeit nur 30.000 Arbeitnehmer in Österreich unter dieser Grenze -
das sind nicht einmal ein Prozent der Beschäftigten. Selbst bei
zweistelligen Lohnerhöhungen für diese Nachzügler steigt die
Lohnsumme dadurch nur um 0,1 Prozent - eine Grössenordnung, an der
noch nie eine Kollektivvertrags-Einigung gescheitert ist.

Volkswirtschaftlich stehen Mindestlöhne ohnehin ausserhalb jeder
Diskussion: Gerade bei den niedrigsten Einkommen geht praktisch jeder
Einkommenszuwachs direkt in den Konsum und erhöht damit das
Wirtschaftswachstum.

Der Weg, auf den sich die Sozialpartner geeinigt haben, stellt
ausserdem sicher, dass die betroffenen Wirtschaftsbereiche nicht
überfahren werden: 2008 müssen nur jene Löhne auf 1000 Euro angehoben
werden, die derzeit noch über 900 Euro liegen, erst 2009 müssen auch
jene Branchen nachziehen, in denen derzeit noch Mindestlöhne unter
900 Euro gelten.

Alles Wonne und Waschtrog also - in der Praxis wird es freilich doch
Probleme geben: 1000 Euro pro Monat bedeuten - inklusive 13./14.
Gehalt und Lohnnebenkosten - reale Lohnkosten zwischen 1400 und 1500
Euro. Arbeitsplätze, die weniger als diesen Betrag an Wertschöpfung
generieren, wird es folglich mittelfristig nicht mehr geben - sie
müssen wegrationalisiert werden.

Dazu kommen ein paar Branchenprobleme: In einzelnen Berufen - etwa
Skilehrer oder Fusspfleger - beträgt der Mindestlohn derzeit 700 Euro
oder noch weniger. Ihn bis 2009 auf 1000 Euro aufzustocken, bedeutet
Lohnerhöhungen von rund 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren und
würde die betroffenen Branchen zu Preiserhöhungen zwingen, die am
Markt nicht unterzubringen sind. Da haben die Sozialpartner ein
Beihilfensystem angedeutet, das zumindest für eine Übergangszeit
greifen muss, bis die exorbitanten Lohnsteigerungen verkraftet sind.

Und eines ergibt sich aus dem gewählten Weg über die
Branchen-Kollektivverträge automatisch: In Branchen mit einem
erheblichen Nachholbedarf bei den Mindestlöhnen werden bei den
nächsten Lohnrunden wohl die Besserverdiener kürzer treten müssen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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