Stichworte: International, Medien, Unternehmen Channel: Chronik
OTS0142   15. Juni 2007, 11:34

Online First-Strategie ist kein Allheilmittel für Verlage



Hamburg (ots) -

- Querverweis: Bilder werden über obs versandt und sind unter
http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=obs abrufbar -

Mit einer reinen Online First-Strategie werden die deutschen
Tageszeitungen die Herausforderungen des digitalen Zeitalters nicht
allein meistern können, so ein Fazit des gestrigen media coffees in
Köln. Auf Einladung der dpa-Tochter news aktuell waren gut 200
Kommunikationsfachleute und Journalisten ins Kölner
Komed-Tagungszentrum gekommen. Der Titel der Diskussionsveranstaltung
lautete "Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? - Printmedien im
Wandel". Meinolf Ellers, Geschäftsführer von dpa-infocom, leitete die
Gesprächsrunde.

Ulrich Reitz, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung,
erteilte einer reinen Online First-Strategie für sein Blatt eine
klare Absage. "Eine Online First-Strategie wird es bei der WAZ nicht
geben. Ob wir Online First machen, wird bei uns immer vom Einzelfall
abhängen", erklärte Reitz. Chefredakteur Jost Springensguth von der
Kölnischen Rundschau unterstrich die Stärken der traditionellen
Lokalzeitungen gegenüber dem Internet. "Die deutschen Zeitungen
erwirtschaften mit ihren Printprodukten zwischen 80 und 90 Prozent
ihrer Umsätze. Wir reden also über 10 bis 20 Prozent, für die noch
nicht wirklich klar ist, wie damit Geld verdient werden kann. Die
geschlossene Benutzergruppe, die wir als Zeitungsverlag heute
ansteuern können, wird es aber so nie wieder geben", machte
Springensguth deutlich.

Kritisch betrachtete Torsten Zarges, Köln-Korrespondent des Kress
Report, die Aktivitäten der deutschen Verlage im Internet. "Große
Orientierungslosigkeit herrscht landauf- und landab bei den
Verlegern. Alles was man zur Zeit sieht sind eher hilflose Versuche
so genannter Onlineoffensiven." Ähnlich argumentierte Prof. Dr.
Günther Rager vom Institut für Journalistik an der Universität
Dortmund: "Ich habe die Sorge, dass die Verlage ihre Hausaufgaben
nicht machen. Es gibt zu wenig Chefredakteure, die genau im Kopf
haben, was die digitale Entwicklung bringen wird. Ich fürchte sie
werden sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können."

Thomas Knüwer, Redakteur beim Handelsblatt und Initiator des Blogs
"Indiskretion Ehrensache" betonte dagegen die
Innovationsmöglichkeiten des Internets. "Die deutschen Verleger
müssen auf Knien dankbar sein für die Erfindung des Netzes", sagte
Knüwer. Dem Modell Leserreporter, wie es die BILD Zeitung
praktiziere, erteilte der bekannte Blogger jedoch eine Absage.
"Leserreporter sind nur erfolgreich, wenn sie auch wirklich
regelmäßig schreiben. Und auch unter ihrem eigenen Namen. Diese Leute
müssen dann letztendlich selbst zur Marke werden. Dann kann es
funktionieren. Vom Prinzip Leserreporter, wie es die BILD produziert,
halte ich sehr wenig." Außerdem wies Knüwer darauf hin, dass Blogs
keine Konkurrenz für Zeitungen seien, sondern vielmehr eine
Ergänzung. "Blogger sind auch in Zukunft gleichzeitig Leser".

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0142 2007-06-15 11:34 151134 Jun 07 EUN0003 0424



news aktuell Logo des Aussenders: news aktuell Zur Pressemappe

Rückfragehinweis: Pressekontakt:
Rückfragen an:
news aktuell GmbH
Head of Media Communications
Jens Petersen
Telefon: 040/4113 - 2843
Fax: 040/4113 - 2855
petersen@newsaktuell.de

Aussendungen von news aktuell abonnieren: als RSS-Feed per Mail