WirtschaftsBlatt Kommentar vom 8.1.2007: Basel II: War alles nur Panikmache? - von Herbert Geyer

Österreichs Unternehmen haben von Basel II kaum etwas bemerkt

Wien (OTS) - Entwarnung. Nach einer Umfrage des Salzburger Consulters Weissmann & Cie. unter 300 kleinen und mittleren Unternehmen hat sich für zwei Drittel von ihnen durch das Inkrafttreten von Basel II nichts geändert.

Was hatten Experten da nicht alles befürchtet: Für die bekannt eigenkapitalschwachen österreichischen Kleinunternehmen würde es kaum noch Kredite geben, und die wenigen Kredite, die dann noch vergeben würden, wären wesentlich teurer. Und jetzt: nichts. Drei Viertel der befragten Unternehmen gaben an, ihr Kreditrahmen habe sich nicht geändert, für 71 Prozent bleibt auch die nötige Besicherung gleich, für zwei Drittel sind nicht einmal die Kreditzinsen gestiegen.

Da überrascht es nicht mehr, wenn zwei Drittel der Firmen angaben, dass sich auch ihre Eigenkapitalpolitik nicht geändert hat.

War also alles nur Panikmache, was den neuen Kreditvergabevorschriften an Schreckensmeldungen vorausgeeilt war? Oder kümmern sich die Banken nicht um ihre neu auferlegten Verpflichtungen?

Kaum. Einer vor zwei Wochen von der Nationalbank veröffentlichten Studie ist zu entnehmen, dass sich bei den Banken sehr wohl der Trend zu risikoadäquater Bepreisung der Kredite feststellen lässt:
Riskantere Kredite werden teurer.

Für die Diskrepanz gibt es - neben der Tatsache, dass 2006 für die meisten Unternehmen ein gutes Jahr war, es den meisten daher relativ gut geht - eine durchaus plausible Erklärung: Weder sind die Banken Feinde ihres Geldes, noch sind Österreichs Klein- und Mittelunternehmer Hasardeure. Daher haben Unternehmen schon bisher in der Regel Kredite nur aufgenommen, wenn sie einigermassen sicher sein konnten, diese auch zurückzahlen zu können; und die Banken haben schon bisher Kredite nur vergeben, wenn es ihnen plausibel schien, dass sie das Geld auch wieder zurückbekommen würden.

Und auch jetzt sehen Banken in Kreditwerbern primär Kunden, mit denen sich ein Geschäft machen lässt, und nicht so sehr Risikofälle, vor denen sie ihre Bilanz retten müssen. Diese Einstellung dürfte übrigens ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil österreichischer Banken sein, die verstärkt auch auf den deutschen Markt drängen.

Wenn Basel II seinen Schrecken verloren hat, dann ist das also vor allem eines: ein Zeichen, dass Österreichs Unternehmen - und auch die Banken - marktkonform funktionieren. Und das ist ein gutes Zeichen.

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