Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Nicht in Stein gemeißelt (von Eva Weissensteiner)

Ausgabe 6. Jänner 2007

Klagenfurt (OTS) - Kaum setzen sich ein paar ÖVP-Spitzen beim
Thema Wählen ab 16 in Bewegung, tritt schon wieder ein honoriger Alt-Grande - diesmal Seniorenbundchef Andreas Khol - vor die Tafel, um mit erhobenem Zeigefinger vor den Folgen einer Wahlaltersenkung zu warnen.
Khol tut dabei so, als wäre das Wahlalter in Stein gemeißelt. Das ist es nicht. Die Politik hat schon früher auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiert und die politische "Reife" - so wie auch die Volljährigkeit - eines jungen Menschen einmal bei 21 Jahren angesetzt, dann bei 19 und zuletzt 1978 bei 18. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Gesellschaft weiter verändert. Die heutigen 14-Jährigen schauen aus wie 18, die 16-Jährigen genießen Freiheiten, die früher "Erwachsenen" vorbehalten waren.
Die exzessive Ausweitung der Kindheit ist eine Erfindung des 19. und 20. Jahrhunderts und in erster Linie eine Folge der verlängerten Schulpflicht. Davor waren 16-Jährige ganz regulär in die Erwachsenen-Gesellschaft integriert, galten als heiratsfähig, als Mitwirkende in der Arbeitswelt. Heute bewegen wir uns wieder dorthin zurück. 13-Jährige haben Sex, 15-Jährige verdienen sich ihr Taschengeld, indem sie via eBay ihre alten Action-Figuren verscherbeln, und 17-Jährige fahren Auto. Die Gesellschaft verändert sich. Es ist Aufgabe der Politik, darauf zu reagieren.

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