Medizin und Gesundheit 2: Die 10 Grundsätze der Wiener Ärztinnen und Ärzte im vollen Wortlaut

Wien (OTS) - 1. PatientInnen haben ein Grundrecht auf bestmögliche Betreuung. An den medizinischen Standards, Leistungen und deren ausreichender Finanzierung führt kein Weg vorbei. Wir sparen gerne -aber nicht, wenn es um unsere PatientInnen geht. Der Zugang zu medizinischen Spitzenleistungen muss weiterhin allen Bevölkerungsschichten solidarisch zur Verfügung stehen.

2. Wir wollen unseren PatientInnen die beste Qualität der medizinischen Versorgung bieten. Die Qualität der Medizin in Wien ist anerkannt hoch. Die Wiener ÄrztInnen leisten durch ständige Fort- und Weiterbildung dazu ihren Beitrag. Die Qualitätssicherung soll deshalb ausschließlich in der Hand der ÄrztInnen bleiben. Medizinische Qualität ist wichtiger als Ökonomie.

3. Unsere PatientInnen verdienen Sicherheit - Das Gesundheitswesen ist der größte Beschäftigungs- und Wachstumsmotor Österreichs und sichert Arbeitsplätze. Wir lehnen die Sicht der Wirtschaft, den kranken Menschen als Kostenfaktor zu sehen, mit aller Vehemenz ab. Spitzenmedizin ist kein Kostenfaktor, sondern sichert in der gesamtheitlichen Betrachtung eine deutliche finanzielle Entlastung der Volkswirtschaft und schafft Arbeitsplätze für die Zukunft.

4. Wir wollen ausgeruht für unsere PatientInnen da sein. Wir wehren uns gegen Marathon-Arbeitszeiten in Krankenhäusern und unzumutbare Arbeitsbedingungen durch Bürokratie und erwarten, dass die Einhaltung der Arbeitszeiten im Spital kontrolliert und Verletzungen des Arbeitszeitgesetzes sanktioniert werden.

5. Die hervorragende Ausbildung junger ÄrztInnen ist eine Zukunftssicherung für die Bevölkerung. Wir setzen uns für die Verbesserung der Studienbedingungen an den medizinischen Universitäten und der Praxisausbildung nach dem Studium ein. Wir fordern mehr geförderte Lehrpraxen und bessere Arbeitsbedingungen für TurnusärztInnen.

6. Medizinische Diagnose und Therapie haben Vorrang vor Management-Maßnahmen. Wir warnen davor, Diskussionen um ausgelastete Betten oder Schließung von Krankenhäusern in den Vordergrund zu rücken. Die Stärkung der Autonomie der ÄrztInnen gegenüber Spitalsverwaltungen, Behörden und Krankenkassen ist uns ein Anliegen im Sinne der PatientInnen.

7. Wir setzen uns für eine Steigerung der Mittel für die humanmedizinische Forschung und Wissenschaft ein. Wir brauchen neue Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs, damit es zu keinem weiteren Abfluss von medizinischem Know-how aus Österreich kommt. Wichtig sind adäquate Arbeitsbedingungen und langfristige Verträge für die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universitätskliniken. Die hohen wissenschaftlichen Leistungen an der Medizinischen Universität müssen erhalten und in Zukunft noch weiter gesteigert werden.

8. Der Arztberuf als "unternehmerischer freier Beruf" muss erhalten bleiben. Der freie Beruf ist durch bürokratische Hemmnisse gefährdet. Den ÄrztInnen wird zudem generell eine freiberufliche Tätigkeit zunehmend erschwert. Die Bürokratie in Spital und Praxis soll zugunsten der Patientenbetreuung radikal abgebaut werden. Allen ÄrztInnen soll das Recht auf eine niedergelassene Tätigkeit erhalten bleiben. Die niedergelassenen ÄrztInnen und deren PatientInnen sollen möglichst gleichen Zugang zum Sozialversicherungssystem haben.

9. Wir stehen für einen vertrauensvollen Umgang mit PatientInnendaten.
Das Vertrauen der PatientInnen in ihre ÄrztInnen und deren Verschwiegenheit im Umgang mit PatientInnendaten ist die jahrhundertealte Basis des Arztberufs. Ein Eindringen in diese Vertrauenssphäre durch übermäßiges Kontroll- und Planungsbedürfnis des Staates wird nicht akzeptiert.

10. Wir stehen für eine Stärkung der Prävention. Im Mittelpunkt steht der Mensch - der Patient ebenso wie der gesunde Mensch. Medizin ist für uns zuallererst Vermeidung von Krankheit und dann deren Behebung und Linderung.

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