"Kleine Zeitung" Kommentar: "Jörg H. ist allein zu Haus' - und sucht verzweifelt Reibebäume" (Von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 04.01.2007

Graz (OTS) - Bundespolitische Aufmerksamkeit erregt er nur noch selten. Seit den Nationalratswahlen, die für das Bündnis Zukunft Österreich außerhalb seines Bundeslandes alles andere als gut verlaufen sind, ziert der Kärntner Landeshauptmann nicht mehr die Titelseiten der nationalen Hochglanzmagazine. Die Nachfrage nach Statements aus seinem Mund erweist sich als endenwollend. Und auch in den bei den Magazinen so beliebten Rankings scheint der Aufreger früherer Tage kaum noch auf. Nicht einmal in der Reihe der unbeliebtesten Politiker.

Jörg Haider allein zu Haus'. Es muss ein ungewohntes Gefühl sein für den in Sachen Publizität verwöhnten Polit-Zampano aus dem Süden. Wie er die neue Lage kompensiert, das dürfen und müssen Kärnten und Österreich derzeit allerdings erleben. Seit Tagen (über)strapaziert der Kärntner Landeshauptmann das Ortstafelproblem - eines der wenigen Themen, mit denen er überregional noch Schlagzeilen machen kann. Auf der verzweifelten Suche nach Reibebäumen zwecks Aufmerksamkeitserhöhung kam Haider eine kritische Aussage des Kärntner Diözesanbischofs Alois Schwarz recht. Dieser hatte zu Silvester - durchaus mehrheitsfähig - gefordert, dass das unwürdige Schauspiel, das um die zweisprachigen Ortstafeln getrieben werde, ein Ende haben müsse.

Mehr hatte es nicht gebraucht. Postwendend klagte Haider die Kirche an, wegen ihrer slowenenfreundlichen Haltung mitschuld am Orstafel-Dilemma zu sein. Er attackierte Bischof Schwarz gestern ob seiner Äußerungen gleich auch noch als "Friedensbrecher" - dabei mit selektiver Wahrnehmung übergehend, dass die Mahnung des Hirten, wonach Einrichtungen des Rechtstaates geachtet werden sollten, gute Gründe gehabt hatte: Der Name des Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Karl Korinek, stehe für "rechtlichen Dreck" hatte Haiders Pressesprecher nach einem unliebsamen Erkenntnis des VfGH erklärt. Und der Stellvertreter des Landeshauptmannes, Gerhard Dörfler, hatte gar gemeint, dass ihm das "gesunde Volksempfinden" wichtiger sei als irgendein Höchsturteil.

Verständlich, dass Jörg Haider über derartige Unmöglichkeiten nicht reden will. Und auch nicht darüber, dass Bischof Schwarz wie viele in Kärnten für eine konsensuale Lösung der Ortstafelfrage eintritt. Haider hätte dann aber ein Thema weniger. Auch für die nächsten Wahlen in Kärnten. Darum sieht er wieder einmal im Angriff die beste Verteidigung. Der Bischof möge es gelassen nehmen. Zu durchsichtig ist das Ganze. ****

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