Innenministerium: Neuer Tiefststand bei Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2006

727 Verkehrstote - Rückgang um ein Drittel gegenüber 1999 - strategische und zielgerichtete Verkehrsüberwachung der Exekutive wird weiter verstärkt und optimiert

Wien (OTS) - Das Bundesministerium für Inneres gibt für das Jahr 2006 bekannt, dass im österreichischen Straßenverkehr insgesamt 727 Personen getötet wurden.

Dieses vorläufige Ergebnis bedeutet einen Rückgang von 5,3 % oder 41 Getöteten gegenüber dem Vorjahr (bis Ende August betrug der Rückgang allerdings noch 14,6 %).

Niedrigste Anzahl von Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen

Langfristig betrachtet ist es die bisher absolut niedrigste Anzahl von Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen im BM.I vor 56 Jahren (1950). Sogar im Jahr 1951 wurde mit 777 Verkehrstoten eine höhere Anzahl registriert. Gegenüber 1972, dem bisher schwärzesten Jahr in der Unfallstatistik (2948 Tote) sind dies weniger als ein Viertel der Todesopfer von damals, obwohl sich der Fahrzeugbestand seither mehr als verdoppelt hat. Noch vor 7 Jahren, im Jahr 1999, gab es in Österreich 1079 Tote im Straßenverkehr. Der Rückgang in diesem Zeitraum beträgt knapp 33 % oder ein Drittel.

Bis Ende November 2006 gingen auch die Werte der Unfälle mit Personenschaden und die der dabei Verletzten um 2,8 bzw. 2,6% zurück.

Strategische und zielgerichtete Überwachung wird optimiert

Gerade der Anstieg der Unfallzahlen im September und Oktober zeigt, dass es wichtig ist, die im Auftrag der Verkehrsbehörden durchgeführte strategische und zielgerichtete Überwachung des Straßenverkehrs auch im kommenden Jahr weiter zu verstärken und zu optimieren.
Basis dieser möglichst punktgenauen Schwerpunktkontrollen sind die auf Grundlage der Verkehrsunfallberichte ausgearbeiteten Empfehlungen der Exekutive.
Dazu wird verstärkt an einer Modernisierung der Verkehrsüberwachungsgeräte gearbeitet, so wird beispielsweise der erfolgreiche Weg des Einsatzes der Alkoholvortestgeräte und der damit einhergehenden wesentlichen Erhöhung der Kontrolldichte fortgesetzt. Die Radargeräte werden schrittweise auf digitale Systeme umgerüstet. Damit ist eine Steigerung der Effizienz in der Überwachung möglich. Das Bundesministerium für Inneres bemüht sich jedenfalls, durch zusätzlichen Einsatz von Exekutivbeamt/innen ein Maximum an Präsenz der Exekutive zu erreichen und damit zur besseren Einhaltung der verkehrsrechtlichen Bestimmungen beizutragen.

Schwerpunkte und Prävention

Neben den repressiven Maßnahmen, hier wäre auch noch die Bedeutung internationaler Schwerpunktaktionen wie die Operation "Alkohol & Dogen" in der Vorweihnachtswoche hervorzuheben, stellen aber auch die Prävention, Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung im Rahmen der schulischen Verkehrserziehung, Verkehrssicherheitsberatungen für Berufsschüler und Senioren, Fahrsicherheitstrainings für Zweiradlenker, etc. einen wesentlichen und besonders wichtigen Bestandteil der Tätigkeit der Exekutive dar.

Statistiken im Überblick

Nach Bundesländern aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild:

Burgenland 21 Verkehrstote (2005: 36), Kärnten 67 (45), Niederösterreich 222 (223), Oberösterreich 139 (167), Salzburg 51 (58), Steiermark 112 (123), Tirol 59 (57), Vorarlberg 26 (25) und Wien 30 (34).

Zunahmen gab es dabei in Kärnten (+22 Tote), Tirol (+1) und in Vorarlberg (+1)
Dazu ist anzumerken, dass die Bundesländer Kärnten und Tirol im Jahr 2005 historische Tiefststände registrierten. Die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Wien erreichten im abgelaufenen Jahr die bisher geringste Zahl an Verkehrstoten seit 40 Jahren.

Schwerste Unfälle

Der schwerste Unfall des Jahres ereignete sich am 28. Oktober auf der B 303 in NÖ. Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Pkw kamen sechs Menschen ums Leben. Es handelte sich um das folgenschwerste Unglück auf Österreichs Straßen seit dem 10. August 2004 (auf der L 256 bei Hallein in Salzburg verunglückten 6 britische Businsassen tödlich).

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen im Jahr 2006 verloren 382 PKW-Insassen, 35 Lkw-Insassen (einschl. Klein-LKW), 96 Motorrad-Fahrer, 8 Autobus-Insassen, 38 Moped-Fahrer, 47 Radfahrer, 107 Fußgänger und 14 Sonstige (6 Traktor, 3 Microcar, 1 Quad, etc.) ihr Leben.

Stark zurückgegangen gegenüber dem Vorjahr sind die getöteten Pkw-Insassen, geringfügig angestiegen ist die Anzahl der Lkw-Insassen, Mopedfahrer und Radfahrer. Die getöteten Motorradfahrer sind leicht zurückgegangen (seit 1992 bewegt sich diese Zahl zwischen 84 und 112). Stärker gestiegen sind hingegen die verunglückten Bus-Insassen und die tödlich verletzten Fußgänger im Straßenverkehr.

Hauptunfallsursachen

Als vermutliche Hauptunfallsursachen dieser tödlichen Verkehrsunfälle mussten nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (33,0 %), Vorrangverletzung (14,2 %), Unachtsamkeit/Ablenkung (10,8 %), Überholen (10,0 %), Fehlverhalten von Fußgängern (7,9 %), Übermüdung (5,9 %) und Herz-/Kreislaufversagen (2,5%) festgestellt werden.

Im abgelaufenen Jahr wurden gegenüber 2005 anteilsmäßig mehr Unfälle durch Unachtsamkeit/Ablenkung, Überholen und Übermüdung von Fahrzeuglenkern bzw. durch das Fehlverhalten von Fußgängern verursacht. Unfallkausale Alkoholisierung bei tödlichen Unfällen ist, trotz eines generellen Rückganges aller Alkoholunfälle, von 5,3 % auf 6,4 % ansteigend.

Die Zahl der getöteten Kinder unter 14 Jahren ist nach dem Anstieg im Vorjahr (2004: 22; 2005: 25) wieder zurückgegangen. 23 Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr ums Leben, die meisten davon als Pkw-Insassen (14) und Fußgänger (6).

Die Jugendlichen (18 bis 26 Jahre) und hier vor allem die männlichen Pkw-Lenker sind für nahezu ein Viertel (24,6 %) aller tödlichen Verkehrsunfälle verantwortlich. Fast 45 % dieser Unfälle sind allerdings Alleinunfälle ohne einen weiteren Beteiligten. Die Unfallszahlen der Jugendlichen haben sich in den letzten Jahren zwar auch deutlich nach unten bewegt, sind jedoch bezogen auf den Bevölkerungsanteil (nur halb so groß wie der der über 60-Jährigen) nach wie vor hoch. Ältere Menschen (ab 60) verursachen zu 19,7 % tödliche Unfälle, davon auch zu mehr als 25 % als Alleinunfälle, jedoch nicht nur als Pkw-Lenker, sondern vielfach auch als Moped-Lenker, Radfahrer oder Fußgänger. Mehr als die Hälfte der 107 getöteten Fußgänger sind über 60.

Bei Verkehrsunfällen mit Geisterfahrern kamen im Vorjahr 2 Menschen ums Leben (2005 waren es 8, 2004: 1; 2003: 3). 12 Tote mussten im abgelaufenen Jahr in Straßentunneln beklagt werden (2005:
8), davon 8 im hochrangigen Straßennetz (A und S).
In Baustellenabschnitten ereigneten sich im Vorjahr 11 tödliche Verkehrsunfälle, davon 6 auf Autobahnen und Schnellstraßen.
Bei 5 tödlichen Verkehrsunfällen waren Lenker von Gefahrguttransporten beteiligt. 5 Getötete waren 17-jährige Pkw-Lenker mit vorgezogener Lenkberechtigung (L 17). 3 Getötete waren 15-jährige Moped-Lenker mit Moped15-Ausweis.

Positiver Trend soll sich fortsetzen

Die Maßnahmen der Exekutive zielen primär auf die Reduzierung der Verkehrsunfälle und somit der Reduzierung von viel Leid für die Opfer, deren Familienangehörige und auch für potentielle Verursacher, ab. Der sich seit Jahren abzeichnende positive Trend bei den Verkehrstoten und Verletzten im Straßenverkehr soll sich dadurch weiter fortsetzen.

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