WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.1.2007: Eine Bankrotterklärung des ÖGB - von Angelika Kramer

Der ÖGB hat ausden Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt

Wien (OTS) - Es hatte alles so gut ausgesehen: Der Verkauf der Bawag/PSK - so bitter die Gründe hiefür auch gewesen sein mögen -ging überraschend mit höchstmöglicher Professionalität über die Bühne. Der Zeitplan wurde eingehalten, ja sogar unterschritten, und es ist dem Verkäufer ÖGB sogar gelungen, den Käufer Cerberus mit bekannten österreichischen Gesichtern menschlicher zu machen: Nicht die Manager der US-Heuschrecke standen beim Signing des Kaufvertrags im Mittelpunkt, sondern österreichische Berühmtheiten wie Hannes Androsch oder Generali-Boss Karl Stoss. Und das, obwohl sie bei dem ganzen Deal nur eine Nebenrolle gespielt haben.
Zahlreiche Sympathiepunkte heimste der US-Fonds aber auch deswegen ein, weil er von Anfang an mit dem Atout "Jobgarantie" für die rund 4300 Bawag/PSK-Mitarbeiter gewachelt hatte. Auch ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer gab stets vor, dass die Sicherung der Arbeitsplätze für ihn einer der Hauptgründe sei, weshalb gerade Cerberus bei der Bank zum Zug käme. Alles bestens eigentlich, müsste man meinen, oder? Wäre da nicht der 30. Dezember gewesen, an dem der Kaufvertrag unter Dach und Fach gebracht wurde - und plötzlich war von Arbeitsplatz-garantie für die Bankmitarbeiter keine Rede mehr. "Sie steht im Konzept von Cerberus, und das war damit für uns ausschlaggebend", beruhigt Clemens Schneider, Finanzchef des Gewerkschaftsbundes halbherzig.
Stellt sich die Frage: Warum wurden diese Teile des Konzepts - wenn sie schon so ausschlaggebend sind - nicht einfach in den Vertrag übernommen? Ist es sich zeitlich, so kurz vor Jahresende, einfach nicht mehr ausgegangen, oder haben die Amerikaner bewusst darauf gedrängt, diesen Punkt aus dem Vertrag rauszulassen? Es ist wohl eher von Letzterem auszugehen, schliesslich ist ein Vertrag ein rechtlich bindendes Instrument, ein Konzept hingegen nur ein vages Blattwerk, an dessen Nichteinhaltung keinerlei Konsequenzen geknüpft werden können.
Aus Sicht von Cerberus ist diese Lösung natürlich die bessere, für den ÖGB ist der Ausgang der Verhandlungen hingegen einmal mehr eine Bankrotterklärung: Wenn es die Gewerkschafter nicht einmal schaffen, 4300 Bawag/PSK-Mitarbeiter vor dem Jobabbau überzeugend zu schützen und stattdessen nur den eigenen Schuldenabbau im Auge haben, dann hat der ÖGB aus den Fehlern der Vergangenheit rein gar nichts gelernt.

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