- 27.06.2006, 10:05:46
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Wüste bekämpfen - Frieden sichern
Internationale ExpertInnen diskutieren Strategien gegen Desertifikation
Wien, 27. Juni 2006 (OTS) - Anlässlich des von den Vereinten
Nationen ausgerufenen Jahrs der Wüsten und Wüstenbildung lädt die
Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) im Außenministerium
zu einer hochkarätig besetzten Fachveranstaltung in die Wiener
Hauptbücherei. Internationale ExpertInnen wie IUCN-Vize-Präsidentin
Purificació Canals und IFAD-Vertreter Rodney Cooke diskutieren
Zusammenhänge zwischen Umweltschutz, Konflikt und globaler
Verantwortung. Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit werden
aufgezeigt, Bewusstsein für das Phänomen und Problem Wüstenbildung
geschaffen.
- Wüste im Vormarsch -
Wüsten weiten sich aus und bedrohen die Existenzgrundlage von
Millionen von Menschen in Entwicklungsländern. Ein Drittel der
Landfläche weltweit ist Wüste. Rund 2 Milliarden Hektar Ackerland und
Weideflächen sind bereits degradiert - durch Überweidung, Abholzung
und nicht angepasste Ackernutzung unfruchtbar und verödet. 24
Milliarden Tonnen fruchtbarer Erde verschwinden jährlich. Die Folgen:
natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser und Vegetation sind zerstört,
die Lebensgrundlage der ländlichen Bevölkerung gefährdet. 75 % der in
Armut lebenden Menschen - 800 Millionen Frauen, Kinder und Männer -
leben in ländlichen Gebieten und sind abhängig von der
Landwirtschaft. Rund 1,2 Milliarden Menschen in mehr als 110 Ländern
sind in ihrem Lebensgebiet von Dürre und Verwüstung betroffen.
- Teufelskreis Armut - Umwelt - Konflikt -
Purificació Canals, Vize-Präsidentin der Internationalen Union für
Naturschutz (IUCN - The World Conservation Union), macht den
Teufelkreis deutlich: "Desertifikation führt zu Hungersnöten, Armut
sowie soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen, die
ihrerseits wieder Konflikte, noch mehr Armut und weitere
Bodenverschlechterung zur Folge haben können. Der Kampf gegen die
ausbreitende Wüste muss daher auf allen Ebenen geführt werden."
Besonders dramatisch ist die Lage nach wie vor in Afrika, erklärt
Rodney Cooke vom Internationalen Fonds für landwirtschaftliche
Entwicklung (IFAD). Bereits zwei Drittel der landwirtschaftlichen
Nutzungsflächen sind verdorrt. IFAD wurde von den Vereinten Nationen
1977 als Sonderorganisation gegründet, mit dem Ziel, die Armut in
ländlichen Gebieten zu stoppen und die Versorgung mit Lebensmitteln
zu steigern. Durch den Zugang zu Krediten, Technologien,
Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Grundschulausbildung lernen
die betroffenen Menschen, wie sie selbst für ihr Einkommen sorgen und
gleichzeitig ihre Umwelt schützen und nachhaltig verbessern können.
Doch nach wie vor ist die Situation brisant: "Sollte das
Fortschreiten der Wüsten nicht aufgehalten werden können, ist in den
nächsten fünf Jahren mit bis zu 50 Millionen Umweltflüchtlingen zu
rechnen", erklärt der IFAD-Vertreter. Seit 1985 betreibt IFAD daher
ein Spezialprogramm für von Dürre und Wüstenbildung betroffene Länder
südlich der Sahara.
- Internationalen Strategien gegen Desertifikation -
Nur mit langfristigen ökologischen, sozialen und ökonomischen
Strategien können die betroffenen Länder den Kampf gegen die
Verwüstung aufnehmen. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2006 zum
Internationalen Jahr der Wüsten und der Wüstenbildung erklärt, um die
globalen Auswirkungen und Gefahren dieses Phänomens in das
öffentliche Bewusstsein zu rücken. 2006 jährt sich auch zum 10. Mal
das Inkrafttreten der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung.
Bis heute zählt die Konvention 191 Mitglieder, unter anderem
Österreich, und ist eines der maßgeblichsten Instrumente für die
Ausrottung der Armut in Trockengebieten.
- Österreichischer Einsatz mit Know-how -
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt seit
Jahren Partnerländer bei Projekten gegen Versteppung, Austrocknung
und Verwüstung. Dabei werden die Anliegen der Frauen besonders
berücksichtigt, denn sie sind Betroffene und zugleich wichtige
Akteurinnen. In Senegal beispielsweise fördert die OEZA eine
ökologisch nachhaltigere Bewirtschaftung des Ackerlandes.
Erosionsschutz und Agroforstwirtschaft erhalten und verbessern die
Bodenfruchtbarkeit. Ein Mikroprojektfonds und eine Spar- und
Kreditkasse helfen den KleinbauerInnen und ViehzüchterInnen bei
Investitionen in Saatgut, Werkzeug oder Ausbildung. Auf Santiago, der
Hauptinsel Kap Verdes, hat die OEZA gemeinsam mit den LandwirtInnen
im Einzugsgebiet des Ribeireta-Flusses ein Programm zur
Stabilisierung des Wasserhaushalts entwickelt. Erosions- und
Hochwasserschutz, Aufforstung und künstliche Grundwasseranreicherung
sichern die Landwirtschaft und damit das Einkommen der Bevölkerung.
Rückfragehinweis:
Informationsbüro der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
Austrian Development Agency
Mag. Christine A. Jantscher
Tel.: (01) 90399-400
mailto: [email protected]
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