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OTS0017   27. Juni 2006, 09:00

Beschäftigungseffekte von Wohnbau und Wohnhaussanierung - EU-Präsidentschaft


Wohnbau und Wohnhaussanierung gelten in den
EU-Ländern als wichtige Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktoren. Die
von der EU (grundsätzlich schon ab 2007) beschlossene Öffnung der
Strukturfonds für den Wohnbau für die neuen Mitgliedsländer sollte
unter dem Aspekt der Energieeinsparung Impulse liefern. In Österreich
ist nach der ungünstigen Entwicklung der letzten Jahre im Wohnbau
eine Trendwende abzusehen, die Forcierung von
"Energie-Contracting-Modellen" sowie die Maßnahmen zur Erreichung des
Kyoto-Ziels lösen zusätzlich Bauaufträge aus. Neben der Forcierung
ökologischer Wohnbauinvestitionen entstehen neue Arbeitplätze im
Bereich der "wohnungsbezogenen Dienstleistungen".

Im Rahmen der EU-Präsidentschaft diskutieren zurzeit in Wien die
Vertreter der Wohnbauministerien aller Länder der EU 25 sowie von
Bulgarien, Rumänien, Kroatien und der Türkei u. a. die
Beschäftigungseffekte im Wohnbau und in der Wohnbausanierung vor dem
Hintergrund der Lissabon-Ziele und der großen Bedeutung des Wohnbau
zur Hebung von Wachstums und Beschäftigung. Daneben wird das
informelle Wohnbauministertreffen in Barcelona (in der zweiten
Jahreshälfte 2006) vorbereitet, das dem Thema "Wohnungspolitik als
Instrument der Stadterneuerung" gewidmet ist.

Das WIFO hat im Rahmen des österreichischen Ratsvorsitzes
gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium in einer Befragung in den
einzelnen EU-Ländern erhoben, welche Maßnahmen in den einzelnen
Ländern gesetzt werden, um die Beschäftigungssituation im Wohnbau zu
verbessern.

In den neuen EU-Ländern nimmt die Förderung des Wohnungsneubaus
eine zentrale Stellung zur Errichtung von leistbarem Wohnraum ein.
Einige Länder fördern die forcierte Renovierung von Plattenbauten (z.
B. Ungarn). Neben den positiven Beschäftigungseffekten leisten diese
Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung des
Kyoto-Klimaschutzzieles.

In der EU 15 erhält die Wohnhaussanierung einen immer größeren
Stellenwert und wird meist durch steuerliche Anreize unterstützt. In
Finnland soll überdies die steuerliche Absetzbarkeit von kleinen
Renovierungsarbeiten zusätzliche Beschäftigungseffekte auslösen.

Auch in Deutschland können Privathaushalte Handwerkerrechungen
steuerlich absetzen; dies soll Sanierungen forcieren und die
Schwarzarbeit zurückdrängen; die Programme zur Verringerung der
CO2-Emissionen durch Gebäudesanierung sollen den Energieverbrauch in
Wohngebäuden deutlich senken. Im Rahmen des Programms zur Stärkung
von Innovation, Investition, Wachstum und Beschäftigung wird die
Wohnhaussanierung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW;
zinsgünstige Darlehen) gefördert, und im Zuge der geplanten
Föderalismusreform die Länder finanzielle Kompensationszahlungen des
Bundes erhalten, die bis 2013 für die "soziale Wohnraumförderung"
zweckgebunden sind. Die Eigenheimzulage, die die Bildung von
Wohnungseigentum unterstützte, ist mit Ende 2005 ausgelaufen und
wurde von einer Vielzahl anderer Programme KfW abgelöst.

In der EU ist die Bauwirtschaft - und zu einem wesentlichen Teil
die Wohnungswirtschaft - einer der größten Arbeitgeber. Im Jahr 2005
waren in der EU 25 rund 15,5 Mio. Arbeitskräfte direkt im Bausektor
beschäftigt, rund 8% aller Erwerbstätigen. Einschließlich der vor-
und nachgelagerten Bereiche dürften rund 45 Mio. Arbeitsplätze von
der Bauwirtschaft abhängen. Der Beschäftigungsanteil des Bausektors
im engeren Sinn ist in Irland (12,6%) am höchsten vor Spanien (12,4%)
und Portugal (10,8%) - diese Länder verzeichneten in den letzten
Jahren einen Wohnbauboom. In Österreich liegt der Anteil mit 8,2%
etwas über dem EU-Durchschnitt.

In den neuen EU-Ländern ist der Beschäftigungsanteil der
Bauwirtschaft mit Ausnahme von Polen und Slowenien durchwegs höher
als im Durchschnitt der EU 25 (Zypern 11,6%, Tschechien 9,6%,
Slowakei 9,5%) und hat sich in den letzten fünf Jahren verzeichneten
(mit Ausnahme von Polen) erhöht.

Wachstum und Beschäftigung entwickeln sich im Wohnbau derzeit in
Ost-Mitteleuropa besonders günstig. Die von der EU angestrebte
Öffnung der Strukturfonds für den Wohnbau ab 2007 für die 10 neuen
Mitgliedsländer wird auch unter dem Aspekt der Energieeinsparung und
der Emissionsdämpfung (Kyoto-Ziel) wichtige Beiträge zur Wachstum der
Wohnungswirtschaft leisten (Ost-Mitteleuropa 2006 bis 2008 laut
Prognose von Euroconstruct +6 1/2% p. a.).

In Österreich steigt die Bauleistung seit Anfang 2006 wieder
deutlich, weil verstärkt in Infrastrukturbauten investiert wird, aber
auch der beschäftigungsintensive Wohnbau anzieht, nachdem das
Überangebot an Wohnungen abgebaut wurde. Zudem ist die
Finanzierungssituation günstig (niedrige Zinsen für Wohnbaukredite).
Eine erhebliche Bedeutung kommt auch dem gemeinnützigen Wohnsektor
zu, er leistet mit durchschnittlich rund 15.000 fertiggestellten
Wohneinheiten pro Jahr etwas mehr als ein Drittel des gesamten
Volumens (derzeit rund 43.000) bzw. rund zwei Drittel des
mehrgeschossigen Wohnbaus. Aufgrund der gesetzlichen Verpflichtung
zur Reinvestition der Überschüsse trägt die gemeinnützige
Wohnungswirtschaft zur Stabilisierung von Wachstum und Beschäftigung
bei.

Die jüngste Ausweitung der Baubeschäftigung geht in Österreich
auch auf Maßnahmen im Wohnbau zur Umsetzung des Kyoto-Ziels zurück
(Förderung von Niedrigenergie- und Passivhaus- Standard,
Energiespar-Contracting-Modelle usw.).

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0017 2006-06-27 09:00 270900 Jun 06 WFO0001 0712




Rückfragehinweis: Dr. Margarete Czerny
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-225 * Fax. +43 1 798 93 86
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