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Hauptschulabschluss: Nachholen fast unmöglich

Mehr Vorbereitungskurse notwendig

Wien (AKNÖ) - Jedes Jahr verlässt einer von zwanzig Jugendlichen
die Pflichtschule ohne positiven Abschluss (IHS-Studie "Schnittstellenproblematik in der Sekundarstufe", Mario Steiner, Lorenz Lassnigg, 2000). In Niederösterreich sind das demnach alljährlich ca. 1.000 Jugendliche. AKNÖ-Präsident Staudinger kritisiert, dass es für sie nahezu unmöglich ist, den Abschluss später nachzuholen und fordert eine bessere Lösung für Niederösterreich.

Brigitte B. aus dem Bezirk Lilienfeld hat keinen positiven Pflichtschulabschluss. Die 38-Jährige war zuerst zu Hause bei ihren Kindern und hat dann im Reinigungsdienst gearbeitet. Jetzt will sie als Pflegehelferin arbeiten. Voraussetzung dafür ist die positive Absolvierung der neunten Schulstufe. "Ich will den Abschluss nachholen. Aber allein schaffe ich den Stoff nicht. Leider gibt es keinen Kurs dafür", sagt die 38-Jährige, die inzwischen aufgegeben hat und weiter als Reinigungskraft arbeitet.

Zwt: Englisch und Mathematik im Selbststudium nicht zu schaffen

Wer keinen Hauptschulabschluss hat, dem ist der Zugang zu mittleren und höheren Schulen verwehrt, der bekommt nur schwer einen betrieblichen Lehrplatz. Wer die neunte Schulstufe nicht positiv absolviert hat, kann auch keine Ausbildung zur PflegehelferIn machen. Knapp 70 Personen haben im Vorjahr den Hauptschulabschluss extern absolviert. "Die Anzahl der Interessenten ist bis zu drei Mal so hoch. Aber es gibt keine Vorbereitungslehrgänge. Das schreckt viele ab, weil sie alles im Selbststudium erarbeiten müssten. Es würden viel mehr Personen zum Hauptschul- oder Polyabschluss motiviert, wenn es Kurse gäbe", erklärt AKNÖ-Bildungsexperte Mag. Markus Riedmayer. Jedem, dessen Schulzeit länger zurückliegt, fällt es schwer, Stoff selbstständig zu erarbeiten. Besonders für die Hauptgegenstände Englisch und Mathematik halten die niederösterreichischen Schulleiter Kurse für unerlässlich. Bis auf 16 frei zugängliche Kursplätze bei der Initiative "Jugendchance Krems" und 160 Plätze vom AMS gibt es aber nichts dergleichen. "Es geht nicht an, dass jemand arbeitslos werden muss, damit er in einen Kurs kann. Auch diejenigen, die im Beruf stehen und sich weiterbilden wollen, müssen eine Chance haben", kritisiert AKNÖ-Präsident Josef Staudinger. Zum Vergleich: In Wien gibt es 550 frei zugängliche Plätze, in Oberösterreich 110, exklusive AMS-Kurse.

Zwt: Kurse ohne Förderung unerschwinglich

"Nach unseren Recherchen haben bereits einige Volkshochschulen ein entsprechendes Konzept entwickelt, aber diese Kurse sind ohne Förderung nicht machbar. Die Leute müssten für zwei Semester ca. 3.500 Euro zahlen, das kann sich niemand leisten", sagt Riedmayer. Die AKNÖ fordert, dass es ähnlich wie in Wien frei zugängliche Vorbereitungskurse gibt. Geht man von den 3.500 Euro als Kurskosten pro TeilnehmerIn aus, würde die Schaffung von 160 frei zugänglichen Kursplätzen etwa 450.000 Euro kosten. 350 Euro pro Semester müssten die TeilnehmerInnen selbst bezahlen. "Hier müssen die Verantwortlichen von Bund, Land und EU Geld in die Hand nehmen. Außerdem fordern wir, dass den TeilnehmerInnen 80 Prozent der 350 Euro, die sie zahlen müssten, von der NÖ Bildungsförderung rückvergütet werden", erklärt AKNÖ-Präsident Josef Staudinger. Bildungsexperte Riedmayer rechnet vor: "Die Kosten für die TeilnehmerInnen dürften pro Semester 350 Euro nicht übersteigen. Wenn sie 80 Prozent der Kurskosten über die NÖ Bildungsförderung zurückholen können, bleiben pro TeilnehmerIn 70 Euro für ein Semester über. Damit wird ein zweisemestriger Lehrgang erschwinglich, außerdem gilt hier der AKNÖ-Bildungsbonus."

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