Ärzte wollen Neugründungen von Apotheken am Land verhindern

Ärztefunktionäre schützen eigenes lukratives Hausapothekensystem - Tausenden Österreichern wird die umfassende Arzneimittelversorgung vorenthalten

Wien (OTS) - Die österreichische Ärztekammer will ein Versorgungssystem verhindern, das tausenden Österreichern eine flächendeckende Arzneimittelversorgung garantiert. Um ihre Hausapotheken am Land zu schützen, fordert die Ärztekammer eine gesetzliche Regelung, die die Betriebsgründung neuer Apotheken am Land unmöglich macht. Sie verlangt eine gesetzliche Regelung, die den Arzneimittelverkauf der Ärzte im dichter besiedelten ländlichen Raum sichert. In der Praxis heißt das, dass keine neue Apotheke am Land mehr eröffnen kann, nur damit einige Landärzte - darunter namhafte Ärztekammerfunktionäre - ihre lukrativen Hausapotheken behalten können.

VfGH: Hausapothekensystem teilweise verfassungswidrig

Am 22. Dezember 2005, also vor einem Monat, hat der Verfassungsgerichtshof die bestehende Regelung zur Neuerrichtung öffentlicher Apotheken in Gemeinden mit ärztlichen Hausapotheken als verfassungswidrig aufgehoben. Grund: Die Erwerbsausübungsfreiheit von Apothekern ist durch die hausapothekenführenden Ärzte eingeschränkt. Öffentliche Apotheken, so der VfGH, sind aufgrund ihres umfassenden Leistungsspektrums ärztlichen Hausapotheken vorzuziehen.

Dr. Herbert Cabana, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer: "Das ist nun schon das vierte Mal, dass der Verfassungsgerichtshof der öffentlichen Apotheke den Vorrang für die Arzneimittelversorgung gibt. Wir wollen, dass die Ärzte das Erkenntnis des VfGH endlich einmal respektieren und uns nicht weiterhin in unserer Berufsausübung einschränken."

60 Gemeinden könnten eine Apotheke bekommen

Die Ärztekammer beharrt auf einer Regelung, die jegliche Neugründung von Apotheken am Land verhindert. Die österreichischen Apothekerinnen und Apotheker erwarten angesichts der klaren Aussage des VfGH, dass Apotheken in Gemeinden gegründet werden können, die von ihrer Bedeutung her eine Apotheke brauchen.

Der hausapothekenführende Arzt müsste in dieser Gemeinde seinen Arzneimittelverkauf einstellen, seine Ordination bleibt bestehen. Für die betroffene Bevölkerung bedeutet das, dass in den nächsten zehn bis 20 Jahren rund 60 Apotheken gegründet werden könnten. Das sind 600 neue Frauen- und Lehrlingsarbeitsplätze.

Durch die Gründung von 60 Apotheken müssten rund 130 Ärzte ihren Arzneimittelverkauf einstellen und nicht wie fälschlicherweise von der Ärztekammer verbreitet 360 Ärzte.

Aktuelle Umfrage: Für 91 Prozent der Österreicher ist eine Apotheke wichtig

Die Ärztekammer setzt sich mit ihrer Forderung, ärztliche Hausapotheken zu schützen, über das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs hinweg. Sie will der österreichischen Landbevölkerung apothekerliche Leistungen wie

  • Gesundheitsberatung, Arzneimittelberatung
  • Breites Sortiment (5000 verschiedene Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln)
  • Lange Öffnungszeiten, keine Urlaubssperre
  • Bereitschaftsdienste - Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste (rund 400 Apotheken sind täglich rund um die Uhr dienstbereit) vorenthalten.

Die österreichische Bevölkerung will aber auf ihre Apotheken nicht verzichten. Einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts OGM zufolge ist es für 91 Prozent der Österreicher wichtig, dass es in ihrer Gemeinde eine öffentliche Apotheke gibt. Cabana: "Vor allem die kundenfreundlichen Öffnungszeiten, die apothekerliche Beratung und die Produktvielfalt werden im Vergleich zur ärztlichen Hausapotheke geschätzt."

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