"trend": Leitl für radikale Vereinfachung des Steuersystem

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl will "in Richtung 38 Prozent Grenzsteuersatz" gehen und das Steuersystem generell vereinfachen

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer, Christoph Leitl, möchte die Klein- und mittelständischen Unternehmen entlasten und besonders "die Diskriminierung der Einkommenssteuerzahler beseitigen", erklärt er in der am Dienstag erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend". Leitl wörtlich: "Während alle Unselbständigen und auch viele Selbständige über eine GmbH eine Steuerbegünstigung für den 13. und 14. Gehalt erzielen und somit nur 43 Prozent effektiven Spitzensteuersatz zahlen, können die kleinen Freiberufler und die kleinen Handels- und Gewerbetreibenden diese Sechstelbegünstigung nicht lukrieren. " Die Diskriminierung sei ganz einfach über die Einkommenssteuererklärung zu beseitigen. "200.000 Personen sind betroffen, für die Maßnahme wären 600 Millionen Euro notwendig. Das ist eine umsetzbare Größe." sagt Leitl, der das Jahr 2006 zum "Jahr des Mittelstands" ausgerufen hat.
Im "trend"-Interview nennt er auch anzusteuernde Fernziele: "Wenn alle 43 Prozent Grenzsteuersatz haben, kann man die vierzig Prozent Spitzensteuersatz ins Visier nehmen. Als Zielvorstellung kann man sich in Richtung 38 Prozent Grenzsteuersatz bewegen." Für die nächste Legislaturperiode erwartet sich der WKO-Präsident jedenfalls "eine umfassende Einkommenssteuerreform, ein energisches Angehen der Lohnnebenkosten". Das Geld dafür solle aus einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung, aus der Verwaltungsreform und der Organisationsreform im Gesundheitswesen kommen: "Insgesamt sind hier locker fünf bis sechs Milliarden Euro herauszuholen." Grundsätzlich möchte der einflussreiche Sozialpartner eine "radikale, dramatische Vereinfachung unseres sehr komplexen Steuersystems". Seine Idee: Man solle das "Steuersystem vom sozialen Transfersystem trennen". Öffentliche Stellen, vor allem die Gemeinden, sollten die Transferleistungen nach Bedürftigkeit auszahlen. Leitl: "Dort kennt man die Menschen, die Bedürftigkeit. Das wäre eine sehr grundsätzliche Reform, die in der nächsten Legislaturperiode angedacht und umgesetzt gehört."

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