GLOBAL 2000: Prölls Biomasse-Pläne dürfen den Regenwald nicht auffressen!

Tropisches Palmöl und Sojaöl sind kein Ersatz für fossile Treibstoffe - nur Verbrauch senken hilft

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 warnt eindringlich davor, dass der von Landwirtschaftsminister Josef Pröll (VP) ehrgeizig vorangetriebene "Biomasse-Aktionsplan" die Zerstörung von Urwäldern in Südamerika und Südostasien weiter beschleunigen und dadurch sogar zur Verschärfung des Treibhauseffekts beitragen könnte. GLOBAL 2000 fordert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Biomasse-Aktionsplan unter Einbeziehung der Umweltorganisationen. Der Aktionsplan für Biomasse sieht unter anderem eine massive Erhöhung der Importe von Palmöl, Sojaöl und Zucker-Ethanol aus tropischen Ländern wie Brasilien, Malaysien und Indonesien vor. Mit Hilfe der Importe soll der Anteil an biogenen Treibstoffen in der EU bis 2010 auf 5,75% erhöht werden. Der Aktionsplan steht morgen Montag auf der Tagesordnung des EU-Agrarministerrates unter dem Vorsitz von Minister Pröll.

"Wir halten den Ersatz von fossilen Energieträgern durch Biomasse grundsätzlich für eine notwendige Aufgabe des Klimaschutzes, doch vor allem was tropische Energiepflanzen zur Produktion von Biodiesel und Benzin betrifft, stellen sich massive oekologische Probleme. Denn es illusorisch zu glauben, man könnte den heutigen Erdölverbrauch einfach durch tropisches Pflanzenöl ersetzen, ohne den verbleibenden Regenwäldern dieses Planeten den Todesstoß zu versetzen", warnt Daniel Hausknost, Regenwaldcampaigner von GLOBAL 2000. "Die Menschheit verbrennt nach Berechnungen des Biologen Jeffrey Dukes jährlich soviel fossile Energie, wie der gesamte Planet in 400 Jahren durch Pflanzenwachstum erzeugen kann. Es ist daher völlig undenkbar, unseren gegenwärtigen Diesel- und Benzinverbrauch jemals durch Pflanzenbrennstoffe ersetzen zu können."

87% der Regenwaldzerstörung in Malaysien in den Jahren 1985-2000 ging auf die Ausbreitung von Palmölplantagen zurück. Doch damit nicht genug: In Indonesien und Malaysien sind für die nächsten Jahre Palmölplantagen im Ausmaß von 26 Millionen Hektar geplant: das entspricht der dreifachen Fläche Österreichs. Die größte der geplanten Plantagen soll mitten durch das "Herz von Borneo" gehen und 2 Millionen Hektar Regenwald vernichten. "Schon heute ist die EU der weltweit größte Importeur von Palmöl. Die gesamte Palmölindustrie Südostasiens richtet sich nach den Vorgaben der EU-Politiker", warnt Hausknost. "Wenn nun signalisiert wird: 'Wir brauchen noch mehr Palmöl für unsere Autos und Kraftwerke!', dann gräbt Europa dem Regenwald ein Grab in der guten Absicht, das Klima zu schützen. Das wäre grotesk." Eine ähnlich dramatische Entwicklung spielt sich in Brasilien mit der Ausdehnung des Sojaanbaus im Amazonasbecken ab.

GLOBAL 2000 forderte daher Landwirtschaftsminister Pröll in einem von mehreren europäischen Umweltorganisationen unterzeichneten Brief auf, als Ratsvorsitzender unbedingt sicherzustellen, dass der Biomasse-Aktionsplan der EU nur Biomasse umfasst, die in nachhaltiger Landwirtschaft erzeugt wird und nicht zu weiteren Verlusten von Regen- und Urwäldern führt. "Mit der Förderung von tropischem Palmöl, Zuckerrohr und Sojaöl als Biotreibstoffe riskieren wir, den Planeten zu einer grünen Wüste zu machen, in der es nur noch Plantagen, aber keine Wälder mehr gibt", warnt Hausknost abschließend.

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