Die "Volksseele" für Haider kein aufgelegter Elfmeter

Das irrlichternde "Tafelspiel" des Landeshauptmannes rückt Kärnten wieder einmal in ein schlechtes Licht

Klagenfurt (OTS) - Laut Wahlgesetz kann eine Fraktion im Parlament nur dann vertreten sein, wenn sie auch bei der Wahl kandidiert hat. So steht es im Wahlgesetz. Der Satz ist dem Buch "Alfred Worm im Streitgespräch mit Jörg Haider" entnommen, und er stammt vom Kärntner Landeshauptmann. Umgelegt auf das BZÖ, löst der Hinweis Verwirrung aus. Abgeordnete zum Nationalrat, die sich zu Orange bekennen, können sich auf keine entsprechende Wahl berufen. Bleibt ein janusköpfiger Haider: Einmal dies, einmal das; einmal so, dann wieder anders; schon wieder da und wieder weg wies eben beliebt. Man kennt die Kapriolen, Kapricen und Bocksprünge des LH zur Genüge. Und man muss es einmal deutlich sagen: Die Medien fallen auf manch eine Laune und abenteuerliche Verhaltensweise des BZÖ-Chefs regelmäßig herein, widmen ihnen hypertroph ausgelegten Raum.
Jetzt also die brisante, unsägliche Ortstafelthematik. Mehr als einmal haben kompetente Kommentatoren der neuen ,,KÄRNTNER TAGESZEITUNG dazu Richtiges, Vernünftiges, Unwiderlegbares von sich gegeben, beispielsweise die plausible Frage gestellt, was Haider unter "Bevölkerung" verstehe.
Seine Tafeln zum Chefthema erhebend, wähnt er besagte "Bevölkerung", den "Volkswillen", offensichtlich geschlossen hinter sich. Davon kann aber nicht die Rede sein. Kärnten wird nicht nur von blindwütigen Tafelstürmern bewohnt, von Leuten, die das Jüngste Gericht in Form einmarschierender slowenischer (EU-)Soldaten sehen. Und von erfrischender Gültigkeit ist der Hinweis getragen: Zehntausende Kärntner fühlen sich nicht von "linken in- und ausländischen Medien umzingelt".
Haider bleibt trotzdem auf Kurs. Und der heißt: Grundmandat; koste es, was es wolle. Koste es die Reputation Kärntens, koste es politische Kultur, koste es vor allem das Miteinander der beiden Volksgruppen. Deutsch oder Slowenisch sprechenden Kärntnern, Landsleuten, die beider Zungen mächtig sind oder beide Sprachen (Dialekte) zu vermischen pflegen, setzt der Oberösterreicher zurzeit ein irrlichterndes Spiel, eine gleichermaßen provokante wie peinliche Taktik entgegen.
Maßgebliche Persönlichkeiten und praktisch das gesamte intellektuelle Lager definieren die in abstrusen Ortstafelverrückungsfantasien kulminierende Haider-Strategie mit Attributen, die dem Repräsentanten eines Bundeslandes zu denken geben sollten. Ob er dies konsequent genug tut, nämlich unter Einbeziehung der Frage, wie weit ein Politker in Sachen Durchsetzung seiner Interessen gehen soll und darf, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Alles deutet jedenfalls auf ein einfaches Strickmuster: Der Blaue von gestern scheint mit seiner ungestümen Bedienung dessen, was allenthalben als "Kärntner Seele" Platz greift, gewillt zu sein, das Land auf Teufel komm raus hinter die Partei zu reihen.
Haiders akute Orientierung fokussiert, so viel steht fest, die kommenden Nationalratswahlen. Das quasi auf ihn reduzierte BZÖ benötigt bundesweit vier Prozent und liegt derzeit vermutlich bei kaum zwei. Ähnlich schlecht schaut es bezüglich eines Grundmandats aus (Kärntner Regionalkreis Ost). Die im Süden trutzende Festung Orange wankt. Das BZÖ rangiert hierzulande mit mageren 24 Prozent weit hinter der SPÖ. Die "Volksseele" vermittelt dem Burgherrn keinen aufgelegten Elfermeter. MANFRED POSCH

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI0001