Neues Volksblatt: "Staunen" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 7. Jänner 2006

Linz (OTS) - Wenn ein Tscheche in Italien zu schnell durch das Ortsgebiet fährt und dabei erwischt wird, muss er blechen -unabhängig von der Tatsache, dass er vielleicht den Ortsnamen nicht lesen konnte.
Wenn ein slowenisch-sprachiger Kärntner in Kärnten zu schnell durch das Ortsgebiet fährt, landet die Sache vor dem Verfassungsgerichtshof. Immerhin war der Mann gravierend benachteiligt, weil die Ortstafel nur der deutschsprachige, nicht aber der slowenische Ortsname zierte.
So weit, so kurios. Tatsächlich ist für Nicht-Kärntner kaum nachvollziehbar, welche Diskussionen - in denen fast inflationär das Wort Verrat vorkommt - sich seit mittlerweile Jahrzehnten an der Ortstafelfrage entzünden. Es bleibt vielmehr nur das Staunen über ein Land, in dem eine zweisprachige Ortstafel als solche Errungenschaft gilt, dass sie sogar von einem Bischof gesegnet wird. Oder dass eine zweisprachige Ortstafel ein solches Übel ist, dass sie sogar mehrmals gestohlen wird.
Eigentlich sollte es nicht so schwer sein, dass in einem Land, welches mit 24 weiteren in einer Union lebt, der verfassungskonforme Rechtszustand hergestellt wird.

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