DER STANDARD-KOMMENTAR "Exzellenz-Entscheidung" von Gerfried Sperl

Ausgabe vom 3.1.2006

Wien (OTS) - Die Entscheidung über den Standort der künftigen "Elite- Universität" naht. Durchaus gewichtige Gründe gegen ihre Errichtung sind hinfällig, weil Regierung und Industrie sich längst darüber einig sind, diese Idee des Quantenphysikers Anton Zeilinger umzusetzen. Der Begriff "Elite-Uni" und die dadurch ausgelöste atmosphärische Diskriminierung bestehender "centers of excellence" haben dem Projekt bereits so geschadet, dass von der Startphase viel abhängen wird.

Von den traditionellen Unis wird sich die neue Universität dadurch unterscheiden, dass sie nur Post-Graduate-Studenten aufnimmt, also solche, die Magisterium oder Diplom bereits in der Tasche haben. Institute wie jenes des Biotechnologen Josef Penninger hingegen haben überhaupt keine Studierenden. Hier wird nur geforscht.

Hauptbewerber für den Standort sind Niederösterreich und Wien. Landeshauptmann Erwin Pröll, dem immer noch nachgespöttelt wird, kein Bücherleser zu sein, hat das attraktivste Angebot gemacht. In der ehemaligen Nervenanstalt Gugging soll die Wissenschaft zu blühen beginnen. Pröll wäre damit seinem Plan näher, neben Krems (mit 4000 Studenten) und der von ihm forcierten Übersiedelung der Universität für Bodenkultur nach Tulln einen dritten Uni-Standort aufzubauen. Der Wiener Stadtchef Michael Häupl, ein ehemaliger Wissenschafter, setzt dem wenig entgegen, obwohl das Vienna Biocenter aus vielen Gründen ein nahezu idealer Platz wäre.

Das "Institute for Advanced Science and Technology" (mit der völlig unmöglichen Abkürzung Aiast) braucht funktionierende Infrastrukturen und ein kommunikatives Umfeld, um relativ schnell in die Gänge zu kommen. Solche Entscheidungen lassen sich nicht allein nach Angebotshöhen treffen.

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