"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gute Aussichten für 2006, aber leider nicht für die Arbeitslosen" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 2.1.2006

Graz (OTS) - Es müsste schon mit dem Teufel zu gehen, wenn es auch 2006 nichts wird mit einer echten Belebung der Konjunktur. Die Wirtschaft nimmt offensichtlich Fahrt auf. Fraglich ist nur noch, ob die Impulse auch für einen richtigen, seit Jahren herbeigesehnten "Aufschwung" ausreichen werden.

Selbst die vorsichtigen unter unseren Wirtschaftsforschern zweifeln jedenfalls nicht mehr daran, dass es nach einem Wirtschaftswachstum von gut zwei Prozent 2005 im neuen Jahr ein Plus geben sollte, das um gut ein Viertel höher ausfallen wird. Die angepeilten 2,5 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), gelten unter Fachleuten nicht mehr als riskante Ansage.

2006 wird ein besonderes Jahr. Da und dort winken Vorteile, wie es sie gewöhnlich nicht gibt. Am Beispiel: Ein Zehntelprozentpunkt Wachstumsplus als Resultat der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft, weil ganze Heerscharen an Beamten wie Touristen unser Land heimsuchen werden. Zumindest ein Zehntel sollte die im Herbst anstehende Nationalratswahl durch vermehrte Werbung etc. bringen. Oder: Falls die Bauern heuer mehr Glück haben, das Wetter mitspielt und wenigstens ein Normaljahr erlaubt, könnten sie ihr vorjähriges Minus von fünf Prozent ausgleichen und dem BIP weitere 0,2 Prozentpunkte bescheren. Ein Viertelprozentpunkt zusätzlich sollte auch aus Vorziehkäufen etwa von Autos kommen, weil die Deutschen im Jänner 2007 die Mehrwertsteuer erhöhen werden.

Noch dazu häufen sich Meldungen aus Deutschland, dass sich bei unserem größten Handelspartner das Wirtschaftsklima kräftig aufhellt:
Zuletzt war dort wie bei uns die Kauflust der Konsumenten so groß wie seit Jahren nicht. Und der Ifo-Geschäftsklima-Index zeigte zum Jahresende die beste Stimmung in Deutschland seit 2000.

Trotzdem fällt ein kräftiger Schatten auf das immer rosigere Konjunkturbild: Die Rekordarbeitslosigkeit wird uns 2006 und darüber hinaus erhalten bleiben. Obwohl mehr als 60.000 zusätzliche Arbeitslose zur Schulung vorgesehen sind - damit aus der Statistik fallen und diese im Schnitt um mehr als 20.000 "verschönern". Eigentlich müssten auf dem Arbeitsmarkt alle Sirenen heulen.

Patentrezepte gegen die neue Arbeitslosenplage - Österreichs größtes Problem - existieren nicht. Vermutlich gibt es auch so schnell oder überhaupt keinen "Aufschwung" mehr, dessen typische Begleiterscheinung früher stets sinkende Arbeitslosigkeit gewesen ist. Deshalb müssten dringend neue Ideen, Auswege, Modelle her. Auch eine ehrliche Diskussion ist überfällig. *****

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